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Die Drogeriemarktkette dm erweitert ihr digitales Geschäftsmodell und sorgt damit für Bewegung im deutschen Gesundheitsmarkt: Ab dieser Woche verkauft das Unternehmen erstmals rezeptfreie Medikamente über seinen Online-Shop. Der Schritt folgt nach Angaben des Unternehmens einer gestiegenen Kundennachfrage – stößt jedoch erwartungsgemäß auf scharfe Kritik der Apothekerschaft.
Zum Sortiment gehören gängige Arzneimittel wie Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen sowie Präparate gegen Erkältungen oder Allergien. Der Verkauf beschränkt sich ausschließlich auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Stationär werden diese Produkte vorerst nicht angeboten, der Vertrieb erfolgt ausschließlich online. Die Auslieferung übernimmt ein Logistikzentrum im tschechischen Bor, das dm bereits für andere Waren nutzt. Geschäftsführer Christoph Werner betonte gegenüber Medien, dass dm keine Rezepte annehmen werde. Modelle, wie sie von großen Online-Apotheken oder Plattformen wie Amazon in den USA praktiziert werden, seien nicht geplant. Vielmehr verstehe sich das neue Angebot als Ergänzung des bestehenden Gesundheitssegments, das bislang vor allem aus Nahrungsergänzungsmitteln und Gesundheitsprodukten bestand.
Auslöser für die Sortimentserweiterung war eine Auswertung des Nutzerverhaltens: Kundinnen und Kunden suchten auf der dm-Website bereits regelmäßig nach Arzneimitteln, die bislang nicht verkauft werden durften. „Wir reagieren damit auf einen klar artikulierten Bedarf“, heißt es aus dem Unternehmen. Der Schritt fügt sich in eine langfristige Strategie, das Online-Geschäft weiter auszubauen und neue Umsatzfelder zu erschließen.
Deutliche Kritik kommt vom Deutschen Apothekerverband (DAV). Dessen Vorsitzender Thomas Preis warnte vor einer Verunsicherung der Verbraucher, wenn die traditionelle Abgrenzung zwischen Apotheke und Drogeriemarkt zunehmend verschwimme. Gerade für medizinische Laien sei es wichtig, Medikamente korrekt einzuordnen – eine Aufgabe, die in Apotheken durch pharmazeutische Beratung gewährleistet werde. Insbesondere bei akuten Beschwerden wie Schmerzen oder allergischen Reaktionen sei fachlicher Rat unerlässlich. Ein Drogeriekonzern könne diese Beratung nicht im gleichen Umfang leisten, so der Verband. Auch die Vermarktung von Arzneimitteln über marketinggetriebene Online-Mechanismen sieht die Apothekerschaft kritisch: Medikamente mit potenziell starken Wirkungen dürften nicht wie Konsumgüter behandelt werden. Bereits im vergangenen Herbst hatte es Kritik an neuen Gesundheitsangeboten von dm gegeben, etwa an Augenscreenings in einzelnen Filialen. Experten äußerten damals Zweifel, ob solche Leistungen außerhalb des klassischen medizinischen Systems ausreichend abgesichert seien.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf den Markt, dass der exklusive Vertriebsweg über Apotheken längst aufgeweicht ist. Schon heute werden vergleichbare Produktkategorien über große Online-Plattformen vertrieben, die keine klassischen Online-Apotheken sind. Zudem kooperieren in vielen deutschen Großstädten Apotheken mit Lieferdiensten wie Lieferando – ebenfalls ein Modell, bei dem die persönliche Beratung häufig entfällt. Der Vorstoß von dm verdeutlicht damit einen grundlegenden Strukturwandel im Gesundheits- und Apothekenmarkt. Während Drogerieketten und Plattformanbieter auf Bequemlichkeit und digitale Zugänge setzen, pochen Apotheker auf ihre Rolle als niedrigschwellige Gesundheitsberater. Wie die Politik und die Aufsichtsbehörden diesen Zielkonflikt künftig bewerten, dürfte entscheidend dafür sein, wie weit sich neue Anbieter in diesem sensiblen Markt etablieren können.
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