IFH KÖLN: Branche aber nach wie vor im Krisenmodus

Immer noch hat die Fashion-Branche zu kämpfen - doch ganz langsam geht's bergauf. Symbolbild: Unsplash / Armen Aydinyan

Die Pandemie hat das Kaufverhalten im Markt für Bekleidung, Wäsche, Schuhe und Accessoires bekanntlich erheblich beeinflusst. Ein neuer (Arbeits-)Alltag mit Homeoffice, weniger Reisen und Verzicht auf private Feiern haben die Bedarfe nach Bekleidung verändert und deutlich reduziert. Doch im zweiten Pandemiejahr zeigt sich eine leichte Erholung.

Das Gesamtmarktvolumen in der Branche Fashion & Accessoires konnte 2021 um insgesamt 2,6 Prozent wachsen, nach einem Umsatzverlust von 14,0 Prozent im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommen neue Marktdaten des IFH KÖLN, die unterstreichen: Die Branche ist nach wie vor angeschlagen. Die hohen Umsatzverluste aus dem Jahr 2020 wurden bei weitem nicht aufgeholt. Somit bleibt der Modemarkt jene Einzelhandelsbranche, die mit Abstand am stärksten unter den Auswirkungen der Pandemie gelitten hat und die größten Umsatzrückgänge verzeichnen musste.

Verlierer Schuhe und Lederwaren

Ende 2021 lagen die Gesamtmarktumsätze immer noch fast zwölf Prozent unter denen des Jahres 2019 – dem Vorkrisenniveau. Dabei sind die Teilmärkte rund um Bekleidung und Wäsche zuletzt sogar um rund vier Prozent gewachsen. Eine besonders schwache Nachfrage verzeichnen Schuhe und Lederwaren (+0,5 beziehungsweise-1,9 Prozent). Auch hat sich der Trend zu mehr lockerer Alltagskleidung – sprich Casual Wear - nochmal deutlich intensiviert. Business- und Anlass-Kleidung wie Kostüme, Anzüge, Blusen, Hemden und Lederschuhe werden weniger gekauft. Beliebt dagegen: gemütliche Outfits für zuhause, ebenso Tag- und Nachtwäsche sowie Kinderbekleidung.

 

Onlinewachstum schafft Entlastung

Von den verschiedenen Lockdownphasen, Kontaktbeschränkungen und Infektionsängsten hat vor allem der Onlinehandel profitiert, mit einem außerordentlichen Wachstum im Bereich Fashion & Accessoires insbesondere 2021. Dort liegt der Onlineanteil mittlerweile bei 46,5 Prozent des Marktvolumens. Der stationäre Handel mit Mode hat in innerstädtischen Ladengeschäften hohe Umsatzverluste hinnehmen müssen. Allerdings sind es auch gerade große Händler mit stationärer Basis, die zuletzt den Onlinehandel selbst vorantreiben.

Aufholprozess dauert an

„Voraussichtlich werden die Ausgabeprioritäten künftig insgesamt weniger bei der Mode liegen. Nicht nur haben sich die Bedarfe geändert, auch verstärken Klimakrise und Corona das nachhaltige Gewissen. Hinzu kommen die Folgen des Ukrainekrieges, unter anderem mit Preiserhöhungen und Lieferengpässen. So kann der Aufholprozess im Hinblick auf die Umsatzverluste durchaus bis 2025 oder 2026 andauern. Auch wenn das Umsatzniveau von 2019 wieder erreicht wird, wird der Anteil der Konsumausgaben für Fashion eher weiter abnehmen“, prognostiziert Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH KÖLN.