Bisher verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen

Ihren Halbjahresbericht hat die GERRY WEBER International AG soeben veröffentlicht. Foto: GERRY WEBER International AG

Die Geschäftsentwicklung der GERRY WEBER International AG (GWI) stand im ersten Halbjahr 2020 unter starkem Einfluss der weltweit grassierenden Coronavirus-Pandemie. Zur deren Eindämmung wurden nahezu alle Verkaufsflächen von GWI auf behördliche Anweisungen hin ab Mitte März 2020 geschlossen.

Mittlerweile sind ab Mai 2020 sukzessive alle Geschäfte wieder geöffnet. Zwar ist die Kundenfrequenz wie erwartet geringer als vor Beginn von COVID-19, jedoch steigen die Conversion Rate und die Umsätze per Kundin sowie die Erlöse im Online-Geschäft – ausgehend von jeweils geringen Niveaus – in den vergangenen Wochen kontinuierlich an.

Geschäft deutlich restrukturiert

Darüber hinaus ist eine Vergleichbarkeit des ersten Halbjahrs 2020 mit dem ersten Halbjahr 2019 nur bedingt möglich, da sich GWI im Vergleichszeitraum des Vorjahres größtenteils zunächst in einem vorläufigen und ab dem 1. April 2019 in einem regulären Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befand. Das Verfahren wurde zum 31. Dezember 2019 erfolgreich beendet. Während und nach Abschluss des Verfahrens hat GWI ihr Geschäft deutlich restrukturiert, was zu einer Schließung von 210 selbst betriebenen Verkaufsflächen im In- und Ausland auf 588 Verkaufsflächen per 30. Juni 2020 (Stand 31. März 2019: 798) geführt hat. Zudem hat sich die Zahl der von Partnern betriebenen Wholesale-Flächen im gleichen Zeitraum um 207 auf 2230 (Stand 31. März 2019: 2.437) verringert. Von den Flächenschließungen und -verlusten sind die erzielten Umsatzerlöse im Berichtszeitraum massiv beeinflusst.

 

Gesenkter Materialaufwand

Vor diesem Hintergrund hat GERRY WEBER im ersten Halbjahr 2020 einen Konzernumsatz in Höhe von 140,5 Millionen Euro (Vorjahr: EUR 247,7 Millionen) erzielt. Der Rohertrag nahm auf 81,6 Millionen Euro (141,3 Millionen) ab; die Rohertragsmarge verbesserte sich auf 58,1 Prozent (57,0 Prozent) dank des gesenkten Materialaufwands und geringerer Bestandsveränderungen. Der Vorstand beziffert den Einfluss von COVID-19 allein auf den Umsatz auf rund 57 Millionen Euro im Vergleich zur ursprünglichen Planung. Der COVID-19-Effekt auf den Rohertrag hat den Schätzungen zufolge rund 33 Millionen Euro betragen.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich in Folge des geringeren Geschäftsvolumens auf -0,9 Millionen Euro (34,5 Millionen Euro) und ist vor allem wegen der erfolgreichen Restrukturierung im Personalaufwand (50,5 Millionen Euro nach 63,8 Millionen Euro im Vorjahr) entlastet. Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich auf -27,3 Millionen Euro (-122,9 Millionen Euro) auch wegen geringerer Abschreibungen, die im Vorjahr überwiegend insolvenzbedingt waren. Das Periodenergebnis verbesserte sich auf -34,2 Millionen Euro (-144,1 Millionen Euro).

Umsatzerwartung unverändert

GERRY WEBER erwartet, dass die negativen Einflüsse auf das gesamtwirtschaftliche Umfeld aufgrund von COVID-19 im zweiten Halbjahr 2020 anhalten werden. An den Einschätzungen hinsichtlich der Prognose haben sich seit Veröffentlichung des Geschäftsberichts zum 31. Dezember 2019 keine wesentlichen Änderungen ergeben, da bereits zu dem Zeitpunkt die erwarteten Auswirkungen von COVID-19 auf Umsatz- und Ertragsentwicklung von GERRY WEBER Berücksichtigung gefunden hatten. Vor diesem Hintergrund bleibt die Bandbreite der für das gesamte Jahr 2020 erwarteten Umsätze unverändert bei 260 bis 280 Millionen Euro. Für das normalisierte EBITDA (ohne Berücksichtigung von Effekten aus der ab April 2019 geändert anzuwendenden Leasingbilanzierung nach IFRS 16) des Konzerns wird unverändert von einem negativen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausgegangen.

Dank der schnellen Reaktion auf die COVID-19-Krise und der konsequenten Umsetzung des Zukunftskonzepts ist GERRY WEBER bislang finanziell verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen. Auch wenn das Zukunftskonzept bereits in großen Teilen zügig umgesetzt beziehungsweise angestoßen worden ist, sieht es noch weitere Zugeständnisse der Vermieter der Immobilien des GERRY-WEBER-eigenen Retails vor.