Wie ein Familienunternehmen die Augenoptik prägt

Fielmann-Filiale der Siebziger, als alles anfing. Foto: Fielmann
Marc und Günther Fielmann. Foto: Fielmann

Als Günther Fielmann am 21. September 1972 sein erstes Geschäft in Cuxhaven eröffnet, steckt eine einfache Idee dahinter: Im Mittelpunkt soll der Kunde stehen, nicht der maximale Profit. Zu einer Zeit, als traditionelle Augenoptiker einen weißen Kittel trugen, Brillen in Schüben verwahrten und eine Vorauswahl für Kunden trafen, war diese Idee revolutionär.

Die Preise waren einheitlich hoch. Wer nicht genügend Geld zur Verfügung hatte, konnte lediglich eines von acht hässlichen Kassengestellen wählen – gesetzlich Versicherte wurden so sozial stigmatisiert. Mit der Eröffnung seines ersten Geschäfts im Jahr 1972 verändert Günther Fielmann den Brillenmarkt durch günstige Preise und umfangreiche Serviceleistungen nachhaltig. Die bis heute prägende Unternehmensphilosophie mit dem Leitsatz „Der Kunde bist Du“ wird formuliert. Damals eingeführte Garantien gelten bis heute − drei Jahre Garantie auf Qualität und Verarbeitung, eine Geld-zurück-Garantie als Beleg der Preiswürdigkeit und eine Zufriedenheitsgarantie − jede Reklamation wird anerkannt.

1980er: die historischen Leistungen

1981 erfolgt der endgültige Durchbruch mit dem „Brillenchic zum Nulltarif“: Von einem Tag auf den anderen bietet Fielmann gesetzlich Versicherten statt der acht Kassengestelle 90 hochwertige Metall- und Kunststoffbrillen in 640 Varianten zum Nulltarif. Günther Fielmann: „Vor Fielmann trugen all diejenigen, die sich keine Zuzahlung für eine teure Feinbrille leisten konnten, den Nachweis ihres niedrigen Einkommens auf der Nase. Fielmann hat die Diskriminierung per Sozialprothese abgeschafft.“ Diese Demokratisierung der Brillenmode ist die historische Leistung des Unternehmensgründers Günther Fielmann, trug ihm den Spitznamen „Robin Hood der Fehlsichtigen“ (FAZ) ein und schaffte die Grundlage des Erfolgs als „Brillenkönig“ (Die ZEIT).

 

1990-er: die Expansion

Mit dem Fall der Mauer 1989 beginnt für Fielmann die Expansion in die neuen Bundesländer. So wird aus „einem großen deutschen Optiker“ der größte Optiker der wiedervereinigten Bundesrepublik und der größte Arbeitgeber der Branche. Der Börsengang 1994 ermöglicht dann die Expansion ins Ausland. Zum Ende des Jahrzehnts erfolgen die Markteintritte in Österreich, Polen und der Schweiz.

Anfang der 2000-er Jahre errichtet Fielmann ein Produktions- und Logistikzentrum in Rathenow an der Havel, der Heimat der deutschen Augenoptik. Durch den Entfall der Zwischenhändler kann Fielmann so deutlich günstigere Preise anbieten als Mitbewerber. In einer der größten Hightech-Fertigungen der Branche weltweit werden heute von knapp 1000 Mitarbeitern Millionen Gläser und Brillen „Made in Germany“ hergestellt.

Während die gesetzlichen Krankenkassen ihre Leistungen für Brillen seit 2004 nahezu vollständig eingestellt haben, bietet Fielmann in Zusammenarbeit mit der HanseMerkur-Versicherung weiterhin Brillen zum Nulltarif: Für nur zehn Euro pro Jahr erhalten Kunden eine komplette Brille mit Korrektionsgläsern, sind gegen Bruch, Beschädigung und Sehstärkenveränderung versichert. Mehr als neun Millionen Kunden haben sich bereits für die Nulltarif-Versicherung entschieden.

Einführung der Akademie

2006 folgt die Einweihung der Fielmann-Akademie Schloss Plön, ehemals Sommerresidenz des dänischen Königs, heute die größte Bildungsstätte für Augenoptiker weltweit. Mit nur fünf Prozent aller augenoptischen Fachgeschäfte in Deutschland bildet Fielmann mehr als 40 Prozent des Nachwuchses in der Augenoptik aus. Das Familienunternehmen ist größter Ausbilder der Branche.

2012 tritt mit Marc Fielmann die zweite Generation in das Familienunternehmen ein. Gemeinsam mit seinem Vater beschleunigt er die Internationalisierung des Unternehmens und leitet die digitale Transformation des Geschäftsmodells ein. Nach acht gemeinsamen Jahren übergibt Günther Fielmann Ende 2019 die Unternehmensführung an seinen Sohn. Mit der Übernahme von Optika Clarus in Slowenien und Optica Universitaria in Spanien wird aus Fielmann die Fielmann-Gruppe.

2020-er: die Gegenwart

Binnen fünf Jahrzehnten ist aus einem augenoptischen Fachgeschäft ein europaweit tätiger Omnichannel-Anbieter für Augenoptik und Hörakustik erwachsen. Heute versorgen 22.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 27 Millionen Kunden in 16 europäischen Ländern. Damals wie heute ist das Erfolgsgeheimnis von Fielmann die konsequente Kundenorientierung. Mit Rekordzahlen bei Kundenzufriedenheit und Wiederkauf von mehr als 90 Prozent baut der Marktführer seine Position kontinuierlich aus.

Die Jubiläumswoche

Zeit, um „Danke“ zu sagen: Ein Besuch in der Niederlassung oder auf fielmann.de/50-jahre lohnt sich in der nächsten Woche, 19. bis 24. September. Fielmann verschenkt in diesem Zeitraum jede 50. Brillenfassung. Wer seinen Auftrag in der Niederlassung direkt um eine zweite Brille ergänzt, erhält auf die günstigere von beiden außerdem 50 Prozent Rabatt. Daneben sorgt ein großes Gewinnspiel mit 300.000 hochwertigen Preisen für Feierlaune.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums hat Fielmann eine exklusive Jubiläumskollektion entworfen: Mit ausdrucksstarken Formen in Verlauf- und Statement-Farben wird das Design der 70er-Jahre zeitgemäß interpretiert. Die 18 Brillen sind eine Hommage an die Gründungstage des Unternehmens. Das spiegelt sich auch in ihren Namen wider: Oliver, Frank, Claudia und Peter gehörten damals in Deutschland zu den beliebtesten Vornamen. Inspiration für die Designs lieferte das unternehmenseigene Archiv. Die Materialien stammen – wie damals – zu 100 Prozent aus Italien, die Fassungen sind von Hand gefertigt und mit dem Jubiläumslogo geprägt.