IFH und BBE: Verlust kann bis 2024 nicht aufgeholt werden

Die stationäre Fashion-Branche hat in der Corona-Krise stark verloren. Symbolbild: Unsplash / Kitty Incédi

Der stationäre Fashion-Fachhandel kann die Umsatzverluste aus der Shutdown-Phase nicht wieder aufholen, so ein Branchenbericht des IFH Köln und der BBE Handelsberatung. Der Onlinehandel werde für die Modeindustrie immer relevanter. Für 2020 müsse der Fashionmarkt mit einem Umsatzverlust von bis zu 20 Milliarden Euro rechnen.

Im vergangenen Jahr 2019 ist der Markt für Fashion & Accessoires noch um 1,4 Prozent auf rund 58 Milliarden Euro gewachsen. Für 2020 muss im Fashionmarkt mit einem Umsatzverlust von bis zu 20 Milliarden Euro gerechnet werden – ein Verlust, der je nach Entwicklung der Rahmenbedingungen auch bis 2024 nicht aufgeholt werden kann. Im Wettbewerb um die Marktanteile werden die stationären Geschäfte des Fachhandels gegenüber dem Onlinekanal verlieren. Bei der Zahl der Verkaufsstellen muss in den kommenden Jahren mit einem Rückgang im fünfstelligen Bereich gerechnet werden.

Schwaches Marktwachstum

„Schon ohne die neuen Marktdynamiken rund um Covid-19 hat der Fashionhandel mit starken strukturellen Veränderungen und schwachem Marktwachstum zu kämpfen. Einerseits ziehen preisattraktive Mode-Filialisten immer mehr Kund*innen an, andererseits bietet der Onlinehandel immer mehr Kaufimpulse. Corona hat diese Entwicklung noch beschleunigt“, so Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH Köln.

 

Online profitiert – Fachhandel verliert

Verschiebungen zum Onlinekanal werden voraussichtlich weiter deutlich zunehmen, wovon vor allem Onlinemarktplätze profitieren dürften. Die Anzahl der Geschäfte im Fashion-Fachhandel verringert sich seit Jahren. Während 2014 der Marktanteil des stationären Fachhandels noch 61 Prozent ausmachte, lag er 2019 nur noch bei 55 Prozent – ein Negativtrend, der sich laut IFH und BBE fortsetzen wird. Auch wenn der Fachhandel seine Position online ausbauen kann, die Onlineaktivitäten reichen in der Summe bei weitem nicht, den stationären Verlust auszugleichen. Dabei bestimmen durchgängig onlineaffine und zunehmend nachhaltige Konsument*innen mit hoher Anspruchshaltung mehr und mehr die Nachfrage.

Prognose nur multifaktoriell möglich

Wie stark die Verluste tatsächlich ausfallen werden, in welchem Ausmaß eine Erholung des Marktes in den kommenden Jahren erfolgen kann, welchen Anteil der Onlinehandel erreichen kann und wie viele stationäre Touchpoints es künftig noch geben wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehört beispielsweise neben der Entwicklung des Infektionsrisikos und den Einflüssen einer möglichen zweiten Infektionswelle auch der Arbeitsmarkt beziehungsweise die Entwicklung der Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger.