Analyse von Birthe Nordhues von Aengevelt

Birthe Nordhues ist Leiterin für gewerbliche Vermietung von Aengevelt Düsseldorf. Foto: Aengevelt

Seit 2009 kannte der Einzelhandelsumsatz in Deutschland nur eine Richtung: nach oben. Insgesamt zog er in den jüngsten zehn Jahren laut HDE um mehr als 138 Milliarden auf knapp 558 Milliarden Euro Ende 2019 an. Davon entfielen mit einem Plus von neun Prozent zum Vorjahr rund 69 Milliarden Euro auf den Online-Handel.

Durch COVID-19 ist für 2020 dagegen von einem deutlichen Umsatz-Einbruch auszugehen, insbesondere im stationären Einzelhandel, während das Online-Geschäft weiter wächst, so Birthe Nordhues, Mitglied der Geschäftsleitung von Aengevelt.

Dies allein der Corona-Krise zuzuschreiben, wäre indessen deutlich zu kurz gedacht: Der Umbruch im stationären Einzelhandel vollzieht sich bereits seit Jahren. Dazu zählt unter anderem die wachsende Zahl unterschiedlichster Gastronomie-Konzepte, die zunehmend die zuvor überwiegend von Textilfilialisten genutzten Ladenlokale in den Innenstädten übernehmen. Auch online-Händler drängen jetzt in die Innenstadt, bestes Beispiel ist Zalando als Nachfolger von H&M auf der Düsseldorfer Kö.

Schicksale stehen auf dem Spiel

Diese Entwicklungen beschleunigen sich nun in der Corona-Krise: Mehrwöchige Ladenschließungen haben zahlreiche, bereits angeschlagene Einzelhändler endgültig in die Insolvenz getrieben. Häufig handelt es sich dabei um Unternehmen, die ausschließlich stationär aufgestellt waren und keine Multi- oder Omnichannel-Strategie verfolgt haben. Bei anderen entscheidet sich ihr Schicksal im weiteren Jahresverlauf. Prominenteste aktuelle Schließungen in Düsseldorf sind Kaufhof und Karstadt – und das in bester City-Lage im Bereich Schadowstraße.

 

Eingeschränktes Kauferlebnis

Seit längerem wird bereits das Erlebnis-Shoppen  als Parole und Lösungsansatz ausgegeben, insbesondere für die sogenannten Generationen Y und Z. Gemeint ist zum einen ein breiter Mix aus Geschäften und Gastronomie in Kombination mit Freizeit- und Sportangeboten. Dazu gehört aber auch ein komplett neues Einkaufserlebnis in den Shops selber: digitale Umkleidekabinen, Touchscreens, digitale Menükarten, die zunehmende Individualisierung von Produkten, zum Beispiel durch das persönliche Monogramm auf dem gerade gekauften Turnschuh oder der Reisetasche - die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. So gut die Ideen und Ansätze auch sein mögen: In der Corona-Krise können sie nur eingeschränkt ihre Wirkung entfalten, sagt Birthe Nordhues . Denn Einkaufen mit Atemschutzmaske, Schlange stehen vor den Geschäften aufgrund stark begrenzter Einlasszahlen und Social Distancing statt dichtem Gedränge an der Kaffee-Bar mindern doch erheblich das Kauf- und Gastronomieerlebnis.

Komplett neues Einkaufserlebnis

Dazu gehört aber auch ein komplett neues Einkaufserlebnis in den Shops selber: digitale Umkleidekabinen, Touchscreens, digitale Menükarten, die zunehmende Individualisierung von Produkten, so durch das persönliche Monogramm auf dem gerade gekauften Turnschuh oder der Reisetasche - die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. So gut die Ideen und Ansätze auch sein mögen: In der Corona-Krise können sie nur eingeschränkt ihre Wirkung entfalten. Denn Einkaufen mit Atemschutzmaske, Schlange stehen vor den Geschäften aufgrund stark begrenzter Einlasszahlen und Social Distancing statt dichtem Gedränge an der Kaffee-Bar mindern doch erheblich das Kauf- und Gastronomieerlebnis.

Online überlebensnotwendig

Gewinner - zumindest in diesem Jahr - ist der Online-Handel mit überdurchschnittlichen Umsatz-Zuwächsen. Alle anderen stationären Einzelhandels- und Gastronomiebereiche müssen mit Blessuren in unterschiedlicher Ausprägung rechnen. Investitionen in neue Konzepte, in den Aufbau notwendiger Multi- beziehungsweise  Omnichannel-Strukturen werden dadurch erschwert. Dennoch sind sie überlebensnotwendig. Denn der Einzelhandel muss sich neu erfinden, um zukunftsfähig zu werden und zu bleiben!

Fazit von Birrthe Nordhues: „Der Einzelhandel wird auch zukünftig sowohl stationär als auch online stattfinden. Gewinner werden dabei diejenigen Anbieter sein, die ganzheitliche Vertriebsstrategien wie oben beschrieben entwickeln und umsetzen."