Interview mit Christian Wagner, Geschäftsführer der norddeutschen Parfümeriekette Schuback, zum Umgang mit den vielfältigen Krisen im deutschen Einzelhandel

Christian Wagner, Geschäftsführer der norddeutschen Parfümeriekette Schuback. Foto: HI HEUTE

Der Einzelhandel steht durch die Aneinanderreihung verschiedener Krisen weiter vor großen Herausforderungen. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller sprach mit Christian Wagner, Geschäftsführer der norddeutschen Parfümeriekette Schuback, über den Umgang mit dieser Situation.

 

HI HEUTE: Herr Wagner, Sie leiten als Geschäftsführer die norddeutsche Parfümeriekette Schuback, ein Familienunternehmen, das in langer Tradition geführt wird. Glauben Sie, dass die aktuelle Situation für Schuback die vielleicht herausforderndste in der Firmengeschichte ist? 

Christian Wagner: Die Schuback Parfümerien wurden 1947 als Drogerien gegründet. In diesen 75 Jahren bis heute gab es einige besondere Zeiten, auf die wir uns einstellen mussten. Insbesondere die 70er und 80er Jahre waren von einem starken Strukturwandel in unserer Branche geprägt. Die Preisbindung fiel und die Drogeriemärkte kamen auf, was bei uns die Weiterentwicklung von der Drogerie zur Luxusparfümerie angestoßen hat. Auch in den 70er Jahren: Die Ölkrise. Die Kunden blieben rezessionsbedingt und weil das Autofahren auch in die Innenstädte reglementiert war, weg - mit hohen Umsatzrückgängen als Folge. Es gab also in unserer Geschichte bereits einige sehr große Herausforderungen, die aktuelle Situation gehört hier ganz sicher dazu.

HI HEUTE: Was haben Sie in in den letzten zwei Jahren - speziell getrieben von der Corona-Pandemie – geschäftlich umgestellt bzw. neu ins Angebot mit aufgenommen?

Christian Wagner: Retail is detail. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren eine Vielzahl an Maßnahmen umgesetzt, um noch näher beim Kunden zu sein. So haben wir das Sortiment in unseren Filialen – speziell im Bereich Make up – weiter auf die Nachfrage vor Ort ausgerichtet. Wir haben unsere Präsenzquote für die Ware in den Filialen gesteigert, was uns jetzt gerade bei den Lieferproblemen hilft. Wir haben auch in der Krise in unser Filialnetz und in unseren OnlineShop weiter investiert und ganz wichtig: Wir sind verlässlich geblieben! Unsere Mitarbeiter konnten sich darauf verlassen, dass ihre Arbeitsplätze sicher sind. Unsere Vermieter konnten sich darauf verlassen, dass die Mieten pünktlich gezahlt werden und unsere Kunden, dass wir die Geschäfte mit den gewohnten Öffnungszeiten geöffnet haben, sobald es uns erlaubt wurde.

HI HEUTE: Welche Bedeutung hat für Sie das Onlinegeschäft – aktuell und mit Blick auf die nächsten Jahre?

Christian Wagner: Das Onlinegeschäft war natürlich besonders im Lockdown sehr wichtig und stark wachsend für uns. Jetzt pendelt sich gerade alles wieder auf einem Normalmaß ein. Wir werden hier dennoch in den nächsten Jahren überproportional investieren, ohne dass Filialgeschäft zu vernachlässigen.

HI HEUTE: Welche Erwartungen haben Sie bezüglich des kommenden Jahres, speziell hinsichtlich Ihrer Firmenentwicklung, aber auch mit Blick auf die allgemein wirtschaftliche Situation in Deutschland?

Christian Wagner: Wir sind vorsichtig optimistisch. In der Vergangenheit hat uns in Krisenzeiten immer der Lippenstift-Effekt ein bischen Rückenwind verschafft. Der Lippenstift-Effekt besagt, dass in einer Wirtschaftskrise Konsumenten sehr gerne weniger kostspielige Luxusgütern kaufen wie z.B. einen Lippenstift von einer Luxus-Beautymarke anstatt sich einen Pelzmantel oder Schmuck zu leisten. Unsere aktuelle Unternehmensentwicklung zeigt, dass der Lippenstift-Effekt auch in der aktuellen Krise zu greifen scheint.

 

HI HEUTE: Wo sehen Sie in Deutschland noch Potenziale für Ihre Expansion?

Christian Wagner: Schuback steht für über 60 Luxusparfümerien in Nord- und Süddeutschland. Wir möchten pro Jahr mit fünf bis zehn neuen Standorten wachsen. Expansionsziele sind Standorte ab 25.000 Einwohner mit guter Kaufkraft in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und nördliches NRW. Glücklicherweise haben wir als Familienunternehmen immer vorsichtig gewirtschaftet und können gerade auch in Krisenzeiten weiter in unsere Expansion investieren. Ansprechpartner für Vermieter in allen Mietangelegenheiten bin immer ich direkt und keine Expansionsabteilung. So kann immer alles schnell, direkt ohne Bürokratie entschieden werden.

 

Erstellt von Thorsten Müller