Stimmen zur zurückgenommenen Osterruhe und aus dem Gastgewerbe

Der Lebensmittelhandel darf Gründonnerstag nun doch öffnen. Symbolbild: Pexels / Anna Shvets

Spürbare Erleichterung nach der Rücknahme der Osterruhe bei den Lebensmittlern – doch andere Branchen verweilen weiterhin im harten Lockdown. Zahlreiche Akteure äußerten sich zur Bund-Länder-Runde: ein Auszug. 

Als ein Signal der Vernunft bewertet der Handelsverband Deutschland (HDE) die Rücknahme der Maßnahmen. „Es ist die richtige Entscheidung, die Osterruhe zurückzunehmen und dem Lebensmittelhandel so auch am Gründonnerstag die Öffnung zu ermöglichen. In Zeiten von Corona muss es darum gehen, den Kundenandrang zu verteilen und nicht durch zusätzliche Schließungen für Schlangen vor den Geschäften zu sorgen“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Schnelle Lösungen gefordert

Mit Blick auf die vom Lockdown betroffenen Einzelhändler setzt sich der Handelsverband weiterhin für eine schnelle und einfache Lösung zur Aufstockung der Coronahilfen sowie für eine zwingend notwendige Öffnungsperspektive ein. Dabei verweist der HDE erneut auf Studienergebnisse des Robert-Koch-Instituts vom 18. Februar und auf die jüngste Studie der TU Berlin, wonach der Einzelhandel nachweislich kein Treiber der Pandemie ist.

Auch Nahversorger wie der EDEKA-Verbund zeigten sich erfreut über Merkels Kurskorrektur. Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender der EDEKA-Zentrale: „Das ist eine kraftvolle und mutige Entscheidung, die unseren vollen Respekt verdient. Dass Bundeskanzlerin Merkel hier die Verantwortung übernommen hat, ist ein Beweis von Führungsstärke. Damit kann die Versorgung der Bevölkerung weiterhin gewährleistet werden, und die Kunden können ihre Einkäufe leichter auf mehrere Tage verteilen."

 

Stöhr kritisiert Vorgehen

Im Nachgang der Konferenz hat der bekannte Epidemiologe Professor Klaus Stöhr in der Taskforce Handel des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) das reine Abstellen auf die Meldeinzidenz kritisiert, wie es in Deutschland seit nunmehr einem Jahr praktiziert wird. „Deutschland entkoppelt sich zunehmend von der Realität. Es ist bei der Bekämpfung der Pandemie nicht hilfreich, auf nur eine einzige Kenngröße abzustellen. Die Auslastung der Intensivbetten, der R-Wert, die Sterberate und der Anteil der positiven Tests an allen Tests sind genauso wichtig“, so Stöhr. ZIA-Präsident Dr. Andreas Mattner erklärte: „Wir sagen seit Wochen, dass es eine differenzierte Pandemiebekämpfung braucht. Bevölkerungsschutz und ein Ende des Lockdowns schließen sich nicht aus. Ich bin froh, dass Experten wie Professor Stöhr das ebenfalls so sehen. Die Politik muss nun handeln und erkennen, dass der Dauerlockdown nicht die Pandemie bekämpft, sondern nur Arbeitsplätze vernichtet.“

Nerven liegen blank

Pure Verzweiflung herrscht nach wie vor im Gastgewerbe. „Die Nerven liegen blank“, so Andrea Belegante, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Systemgastronomie (BdS). „Erneut wird unsere Branche für weitere fast vier Wochen geschlossen. Die Rücklagen, die Kraft der mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer sowie das Verständnis sind aufgezehrt. Es geht nicht mehr und kann so auch nicht weiter gehen. Hier stehen unternehmerische Existenzen vor dem Aus und hunderttausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die von der Bundesregierung zu verantwortenden Fehler – schleppende Impfungen, lückenhafte Testkonzepte – werden auf die Unternehmen und insbesondere die (System-)Gastronomie sowie den Handel abgewälzt. Wir dagegen haben gezeigt, dass durch strenge Hygienekonzepte und pragmatische Lösungen, geordnete Zusammenkünfte in einer kontrollierbaren Umgebung stattfinden können. Es müssen endlich Öffnungsschritte und -perspektiven zugelassen werden. Städte wie Tübingen oder Rostock zeigen, dass es geht.“