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Der Buchhändler Thalia wagt einen strategischen Schritt in ein neues Geschäftsfeld. Im November 2025 eröffnet das Unternehmen sein erstes eigenes Spielwaren-Fachgeschäft unter dem Namen „Thalia Spielzeit“ in Lüdenscheid. Mit diesem Schritt reagiert Thalia auf eine Entwicklung, die viele Städte betrifft: Zahlreiche klassische Spielwarenhändler geben auf, wodurch eine Angebotslücke in den Innenstädten entsteht. Diese will Thalia nun gezielt schließen.
Der Einstieg in den Spielwarenmarkt ist Teil einer umfassenderen Strategie. Bereits zum 1. Oktober 2025 hatte Thalia die beiden traditionsreichen Spielwarenketten Krömer und Toysino übernommen, die zusammen 39 Filialen in Deutschland betreiben. Die bisherigen Inhaber Christian und Daniel Krömer werden künftig innerhalb der Thalia-Gruppe das Segment Spielwarenfachhandel leiten. Alle Standorte sollen fortgeführt und die Arbeitsplätze erhalten bleiben, vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden.
Die neue Filiale in Lüdenscheid wird im Stern-Center rund 470 Quadratmeter Verkaufsfläche im ersten Obergeschoss beziehen, nur wenige Schritte von der bestehenden Thalia-Buchhandlung entfernt. Das Sortiment soll weit über klassische Spielsachen hinausgehen und Produkte aus den Bereichen Baby- und Kleinkindbedarf, kreative Bastelartikel, Outdoor-Spielzeug und Familienspiele umfassen. Mit Thalia Spielzeit will das Unternehmen ein Konzept schaffen, das gleichermaßen Familien, Kinder und Geschenkekäufer anspricht.
Für Thalia ist die Expansion in den Spielwarenmarkt nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, sondern auch ein gesellschaftliches Signal. „Viele klassische Spielwarenhändler ziehen sich vielerorts aus den Innenstädten zurück. Diesem Trend wollen wir aktiv entgegenwirken und mit attraktiven Läden als Ankerpunkte im urbanen Raum präsent bleiben“, betont Geschäftsführer Ingo Kretzschmar. Ziel sei, mit dem neuen Format dazu beizutragen, die Innenstadt als Erlebnisraum lebendig zu halten.
Das Spielwarensegment hat sich für Thalia bereits in den vergangenen Jahren als dynamischer Wachstumstreiber erwiesen. Im Geschäftsjahr 2024/25 stieg der Nonbook-Umsatz – also das Geschäft mit Spielwaren, Papeterie, Geschenkartikeln und ähnlichen Produkten – um rund 19 Prozent. Damit entfällt inzwischen etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes auf diesen Bereich. Insgesamt erwirtschaftete Thalia zusammen mit seinen Partnerbetrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro, ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auch das Onlinegeschäft zeigt deutliche Zuwächse. Laut Unternehmensangaben legte der Umsatz mit E-Books um 18 Prozent zu, bei Hörbüchern um 21 Prozent. Das stationäre Geschäft wuchs flächenbereinigt um etwa fünf Prozent. Thalia sieht in der Verbindung von Buch- und Spielwarenhandel eine ideale Ergänzung: Beide Segmente richten sich an Familien und setzen auf Emotion, Beratung und Qualität – Faktoren, die auch in Zeiten des E-Commerce Bestand haben.
Mit dem neuen Format „Thalia Spielzeit“ will das Unternehmen die Stärken seines bestehenden Filialnetzes mit der Erfahrung der übernommenen Spielwarenketten verbinden. Die Pilotfiliale in Lüdenscheid soll als Modell für künftige Standorte dienen. Wie schnell und in welchem Umfang weitere Filialen folgen, wird maßgeblich vom Erfolg des ersten Geschäfts und der Resonanz der Kundschaft abhängen. Gleichzeitig bringt der Einstieg in den Spielwarenhandel Herausforderungen mit sich. Der Wettbewerb mit Onlinehändlern und großen Filialisten ist hart, und der Aufbau einer neuen Marke erfordert Zeit und Vertrauen. Auch die Integration der übernommenen Filialen in die bestehende Unternehmensstruktur wird eine komplexe Aufgabe sein. Dennoch sieht Thalia in dem Schritt eine große Chance. Das Unternehmen will beweisen, dass der stationäre Handel auch in Zeiten digitaler Konkurrenz erfolgreich sein kann – wenn er Erlebnis, Qualität und Nähe zum Kunden bietet. Mit „Thalia Spielzeit“ setzt der Buchhändler auf ein Konzept, das Kultur, Bildung und Spiel miteinander verbindet und so ein neues Kapitel in der Geschichte des Traditionsunternehmens aufschlägt.
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