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05. Mai 2026

Tante Enso prüft Übernahme von Tegut-Filialen

STRUKTURWANDEL IM EINZELHANDEL GEWINNT AN DYNAMIK
Tante Enso greift nach einer Reihe von Tegut-Filialen.
Foto: Tante Enso

Der Rückzug der Schweizer Genossenschaft Migros aus dem deutschen Markt markiert eine spürbare Zäsur im Lebensmitteleinzelhandel. Nachdem Migros Zürich bereits im März den Verkauf wesentlicher Teile der Supermarktkette Tegut an EDEKA vereinbart hatte und im April auch die REWE Group die Übernahme von bis zu 40 weiteren Filialen ankündigte, tritt nun ein weiterer Interessent auf den Plan. Die Smart-Store-Kette Tante Enso verhandelt über die Übernahme von bis zu 36 Tegut-Märkten in Thüringen, Hessen und Bayern.

Die geplante Transaktion steht zwar noch unter kartellrechtlichem Vorbehalt, könnte für Tante Enso jedoch einen bedeutenden Wachstumsschritt darstellen. Bislang konzentriert sich das Unternehmen vor allem auf Standorte in Nord- und Ostdeutschland. Eine Integration der zusätzlichen Märkte in Süd- und Mitteldeutschland würde nicht nur die geografische Reichweite erheblich erweitern, sondern auch die Marktposition stärken. Nach Unternehmensangaben passen die ins Auge gefassten Standorte aufgrund ihrer Lage und Größe ideal zum bestehenden Konzept.

Versorgung im ländlichen Raum

Dieses Konzept basiert auf der Kombination digitaler Smart Stores mit klassischen Nahversorgerfunktionen. Viele Filialen sind rund um die Uhr geöffnet und setzen weitgehend auf Selbstbedienung, ergänzt durch punktuelle personelle Betreuung. Strategisch fokussiert sich Tante Enso auf Regionen mit eingeschränkter Nahversorgung, insbesondere kleinere Gemeinden, in denen traditionelle Supermarktmodelle oft wirtschaftlich schwer tragfähig sind. Bestehende Tegut-Filialen könnten in dieses flexible Modell integriert und entsprechend angepasst werden. Damit adressiert das Unternehmen gezielt ein Marktsegment, das für große Handelsketten häufig nur begrenzt rentabel ist. Gleichzeitig gewinnt die Sicherstellung der Nahversorgung gerade in ländlichen Regionen zunehmend an Bedeutung – auch im Kontext der wettbewerbsrechtlichen Bewertung.

Kartellamt muss noch zustimmen

Sämtliche Transaktionen im Zuge des Migros-Rückzugs unterliegen der Prüfung durch das Bundeskartellamt. Während bei den Übernahmen durch EDEKA und REWE insbesondere die ohnehin starke Marktstellung der Konzerne im Fokus stehen dürfte, wird bei Tante Enso vor allem die regionale Wettbewerbsdichte eine Rolle spielen. In kleineren Gemeinden mit begrenzter Anbieterzahl könnten mögliche Konzentrationseffekte besonders genau geprüft werden. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält der potenzielle Deal durch die personelle Konstellation an der Spitze von Tante Enso. Geschäftsführer Thomas Gutberlet war zuvor selbst in leitender Funktion bei Tegut tätig und verfügt über detaillierte Kenntnisse des Filialnetzes. Sein Wechsel vom klassischen Vollsortimenter hin zu einem digital geprägten Nahversorger-Modell steht exemplarisch für den strukturellen Wandel im Handel.

Signal für den LEH

Die mögliche Übernahme wäre somit mehr als eine reine Expansion. Sie könnte als Signal für eine zunehmende Differenzierung im Lebensmitteleinzelhandel gewertet werden, in dem neue, flexible Konzepte an Bedeutung gewinnen und traditionelle Strukturen zunehmend aufbrechen.

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