3. newDeal Forum sorgte für neuen Teilnehmerrekord und überzeugte mit guten Fachvorträgen

Zufrieden mit dem Forum (v.l.): Hans-Joachim Mergen, Geschäftsführer reccom KG und Andrea Kurtz, Chefredakteurin Business: Handel und Moderatorin der Veranstaltung gemeinsam mit Jürgen Frechen, Geschäftsführer Hoffmann Ladenbau. Foto: Busch

175 Teilnehmer, so viele wie noch nie, haben sich für das 3. newDeal Forum, Change for Retail, auf den Weg nach Münster gemacht, um gemeinsam über die Zukunft des stationären Handels zu sprechen, spannende Vorträge von Top-Referenten zu hören und zu netzwerken. Wie können Retailer die Anziehungskraft von Marken zu ihrem Vorteil nutzen, und welche Veränderungen passen überhaupt zu meinem Unternehmen? Diese und weitere Fragen beschäftigten die anwesenden Filialisten und Branchenexperten den Tag über.

 

„Der Einzelhandel muss bei der großen Online-Konkurrenz wettbewerbsfähig bleiben“, sagt Hans-Joachim Mergen, Geschäftsführer der reccom KG und Initiator des Kongresses. „Darum setzen wir beim newDeal Forum nicht auf ein einziges

Modethema, sondern versuchen die komplette strategische Situation des Handels aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.“ „Die im Vergleich zum Vorjahr nochmal gestiegene Teilnehmerzahl zeigt, wie brandaktuell die Themen in der Branche sind. Es besteht Entwicklungs- und Gesprächsbedarf und dem kommt unser Forum entgegen“, betont Mergen.

Fünf Top-Referenten präsentieren im LWL-Museum in Münster ihre Thesen zur Weiterentwicklung des Handels. Schizophrene Strategien empfahl Dr. Jens-Uwe Meyer von der Innolytics GmbH den Retailern. Man müsse sein klassisches Geschäft mit vollem Einsatz weiterentwickeln und betreiben solange das noch gehe, aber parallel mit gleicher Energie neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Wie sich Unternehmen radikal erneuern können, ohne dabei die Marke als Kern des Unternehmens zu vergessen, zog sich wie ein roter Faden durch das Programm im vollbesetzten Saal des LWL Museums für Kunst und Kultur am Domplatz.

Anschauliche Beispiele wie das der Cewe-Gruppe, die erfolgreich den Weg vom Filmentwicklungsservice zum Fotobuch-Produzenten gegangen ist, zeigten wie wichtig dabei das „Quer-Denken“ ist. Gewohnheiten und Branchengewissheiten nicht nur immer wieder zu hinterfragen, sondern sogar aktiv die „Zerstörung des eigenen Geschäftsmodells“ zu betreiben, ist im digitalen Wandel eine erfolgversprechende Strategie. Wer sich also mit dem Gedanken beruhigt, „Bis hierher lief es doch noch ganz gut“, ist vielleicht kurz davor, unsanft aus seinen Träumen gerissen zu werden.

Wie uneinholbar groß der Vorsprung von Amazon im Online-Handel geworden ist, belegte Michael Nenninger, CEO der Voycer AG, mit eindrucksvollen Zahlen. Jedoch zeigte er auch Möglichkeiten für den Handel auf, sich dagegen zu behaupten: Durch Differenzierung in den frühen Phasen der Customer Journey kann der Handel erfolgreich Kundenbindung erzeugen.

Jörg Heithoff, Kommunikationsexperte, legte dar, dass dabei neben all den neuen digitalen Kanälen auch die „Old school“ Medien weiter ihre Berechtigung haben. Entscheidend seien „crossmedial“ die Geschichten, die ein Unternehmen erzählen könne, und die Kundenbedürfnisse.

 

Dass „König Kunde“ wie ein kleines Kind ist und wie tiefenpsychologische Mechanismen bei erfolgreichen Marken zum Tragen kommen, zeigte Nicole Hanisch vom rheingold institute. Mit griffigen Formulierungen zu den „geheimen Markenbotschaften“ sorgte sie für spannende Erkenntnisse. So präsentiere sich REWE als „revitalisierende Welt mit Flirt-Potential“, während Kaufland für „zwangsloses Jagdfieber“ stehe und EDEKA eine „heile Welt und Wohlfühloase“ sei. Ebenfalls für Stimmung im Publikum sorgte der Vortrag der Körpersprache-Expertin Monika Matschnig: Sehr lebendig und anschaulich führte sie vor, wie wichtig Körpersprache ist und mit welchen Mitteln nonverbal kommuniziert werden kann.