Interview mit Steffen Höhn, Head of Lease Management Retail (APLEONA)

Steffen Höhn im Gespräch mit HI HEUTE. Foto: HI HEUTE
Retailspezialist Steffen Höhn arbeitet seit August 2017 für Apleona Real Estate Management. Foto: HI HEUTE

Steffen Höhn fällt mit seiner Erscheinung auf. Der einstige Leistungssportler an der DHfK in Leipzig hat zwar mit den Jahren deutlich an Gewicht zugelegt, doch Agilität und Aktionsradius sind unverändert hoch. Seit August 2017 ist der erfahrene Vermietungsexperte und „Ossi mit Leib und Seele“ für Apleona tätig. Über seine beruflichen Anfänge, seine späteren Herausforderungen und seine aktuellen Aufgaben sprach er mit HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller.

 

HI HEUTE: Herr Höhn, Sie sind schon sehr lange im Vermietungsgeschäftig tätig – verfügen über eine reiche Erfahrung in verschiedenen Unternehmen. Angefangen haben Sie aber mal ganz anders und dass in der ehemaligen DDR … 

Steffen Höhn: Ja, das stimmt. Ich war mal - auch wenn man es mir inzwischen nicht mehr ansieht – Hochleistungssportler, wollte unbedingt auf der „einzig wahren Sporthochschule“ in Deutschland, der Leipziger DHfK, studieren und war damals auch sehr stolz, dies nach vielen Eignungstests geschafft zu haben.  

HI HEUTE: Sie sind ein Judoka, nicht wahr?

Steffen Höhn: Richtig und war auch recht erfolgreich, doch zu einer Olympia-Teilnahme hat es leider nicht gereicht. Mein Wunsch war es aber, Trainer und Ausbilder zu werden. Mit Schlips und Kragen im Büro zu sitzen, konnte ich mir früher überhaupt nicht vorstellen.

HI HEUTE: Wie sind Sie denn dann in die Immobilienbranche gekommen?

Steffen Höhn: Sportstudenten mussten sich damals nach der „Wende“– sowohl in der ehemaligen DDR als auch in der Bundesrepublik - um ihren Lebensunterhalt selbst kümmern. So nahm ich alle möglichen Jobs an. Irgendwann war auch ein Praktikum bei einem Immobilienunternehmen welches in einem Trainee-Programm mündete. Der Umgang mit den verschiedensten Menschen und Charakteren war genau meine Sache.

HI HEUTE: Sie sind also nach dem Mauerfall erst einmal weiter im Osten geblieben, wollten kein Wendehals sein. Wie haben Sie den Tag, als die Reisefreiheit verkündet wurde, ganz persönlich erlebt?

Steffen Höhn: Als die Nachricht kam, saß ich gerade im Bus. Direkt hinter dem Fahrer. So konnte ich alles genau mitbekommen. Danach holte ich mir den behördlichen Stempel (den ich erst nachstundenlanger Wartezeit bekam) und dann ging’s mit Schwester, Schwager und Nichte ab nach Berlin. Im Westen der Stadt lebte der Vater meines Schwagers und mit dem verbrachten wir einen sehr eindrucksvollen Tag. Eigentlich wie nebenbei holte ich mir an dem Tag auch das Begrüßungsgeld in einer direkt benachbarten Sparkasse, ohne „Schlange“ ab. Ich war sehr überrascht, wie unkompliziert das über die Bühne ging.   

HI HEUTE: Und wie sehen Sie das ganze 30 Jahre später?

Steffen Höhn: Es hat das Leben Aller total verändert. Natürlich auch meines, vor allem meine Möglichkeiten deutlich vergrößert. Dennoch bin ich damals erst einmal im wundervollen Leipzig geblieben, weil ich ein „Ossi mit Leib und Seele“ bin. Zu mir gehörte es, stets zielorientiert zu sein und immer das Beste aus Allem zu machen. Die für uns Ostbürger so überraschend zustande gekommene Grenzöffnung war aber schon wirklich der Hammer. Ich bin nahe der Elbe, in Boizenburg/Elbe aufgewachsen und habe damals die Dampfer gut hören können. Da war für mich der Westen – trotz der direkten Nachbarschaft - so weit weg wie der Mond und der Mauerfall so eine Sensation wie die Mondlandung.

HI HEUTE: Und nicht allzu viele Jahre später lud Sie ein internationales Unternehmen ein, nach Cannes zur MAPIC zu kommen. 

Steffen Höhn: Stimmt. Das war die niederländische MAB Development, für die ich schon bald darauf das als schwierig zu vermietende „Frankfurt Hoch Vier“ mit einem Team zum Shopping-Center „MyZeil“ in Frankfurt werden ließ. Dies dann mit einigen sehr begehrten Retailern, z.B. Hollister, ausstatten konnte – vielleicht meine beruflich bislang größte Leistung. Aber ja, da war der junge „Ossi“ plötzlich bei den Schönen und Reichen an der französischen Riviera und stimmte sich hier schon mal auf seine zukünftigen Aufgaben, ab Januar 2007 beim neuen Arbeitgeber ein. Mittlerweile habe ich, der „German Tank“ - wie ich von vielen ausländischen Akteuren genannt werde - auf der MAPIC bereits Silber-Status.

HI HEUTE: Aber auch für den einst bedeutenden Einzelhandel-Makler Kemper‘s waren Sie speziell in den so genannten Neuen Bundesländern einige Jahre tätig und kennen auch das Vermietungsgeschäft in den Fußgängerzonen, bevor Sie dann 2017 bei Apleona anfingen.

Steffen Höhn: Ich habe in den vielen Jahren schon viele verrückte Immobilien und Konzepte kennengelernt, entworfen, begleitet und umgesetzt. Mut und Selbstbewusstsein waren da schon sehr hilfreich. Bei Apleona und im heutigen Mietermarkt kommt mir all dies zu Gute.

HI HEUTE: Wie müssen wir uns das vorstellen?

Steffen Höhn: Wir sind in der Lage, für nahezu alle Problemstellungen in unserer vielschichtigen Branche eine maßgeschneiderte Lösung zu finden, fokussieren uns ja längst nicht nur auf große innerstädtische Shopping Center, wie u.a. der Kölner Neumarkt-Galerie, sondern kümmern uns zunehmend um Nahversorger und Stadtteilcenter wie z.B. in Eberswalde. Und auch die Eigentümer von Geschäftshäusern in der Fußgängerzone in Klein- und Mittelstädten können auf die Kompetenz und Erfahrung von[MA1] Apleona zählen.

HI HEUTE: Es geht ja heutzutage zwischen Eigentümern, Mieter und Managern ganz anders intensiv zur Sache als noch vor einigen Jahren.

Steffen Höhn: Absolut. Die persönliche Nähe wird immer bedeutsamer. Es geht darum, Vertrauen zu schaffen und es dann nicht zu enttäuschen. Zuhören ist wichtig. Aber auch seine Hausaufgaben zu machen und sich die Aufgabe ernsthaft zuzutrauen. Rund 30 Prozent des Vermietungsaufwands gehen heute für die Vorarbeit drauf. Analysen und Abstimmungen erfordern immer mehr Zeit. Wenn das aber am Ende zum Erfolg bzw. zur Wertsteigerung der Immobilien unserer Auftraggeber führt, war es alle Mühen wert.

HI HEUTE: Was hat sich denn bei der Arbeit inhaltlich geändert?

Steffen Höhn: Früher war man froh, wenn man in kurzer Zeit für eine Fläche eine hohe Miete erzielen konnte. Heute kommt es mehr darauf an, den Mieter nachhaltig zu binden, denn was nutzt es, wenn er anfangs viel zahlt, aber dann nach zwei Jahren finanziell am Ende ist. Wir versuchen frühzeitig und vorausschauend gemeinsam mit Eigentümern und Mietern Strategien zu entwickeln und Wege zu finden, die langfristig passen. Danach bin ich wieder gern „Befehlsempfänger“ und marschiere mit unserer Apleona Leasing-Mannschaft als Team los und kümmere mich deutschlandweit um die Umsetzung.

HI HEUTE: Was nehmen Sie sich für 2020 vor?

 

Steffen Höhn: Wir haben die für uns geeigneten Nischen mit den eingangs genannten Handelsimmobilientypen gefunden undwollen das weiter intensivieren. Wir machen das aber nicht nur im Rahmen unserer langfristigen Property- und Center-Managementaufträge, sondern auch für Externe Dritte, die uns bitten, sich für einen überschaubaren Zeitraum um eine Immobilie mit größeren Herausforderungen zu beschäftigen. In Itzehoe traf ich in 2019 diesem Zusammenhang auf den dort seit vielen Jahren tätigen Facility Manager des dortigen Centers. Mit ihm hatte ich hier schon vor langer Zeit für den damaligen Eigentümer die Vermietung getätigt und zusammengearbeitet. Irgendwie typisch für unsere Branche, wo man sich oft und hoffentlich gern zweimal sieht …

Erstellt von Thorsten Müller