Exklusiver Gastbeitrag für HI HEUTE von Bernhard Schoofs, geschäftsführender Gesellschafter Momentum Real Estate GmbH

Bernhard Schoofs, geschäftsführender Gesellschafter Momentum Real Estate GmbH. Foto: Momentum

Ausgerechnet der populäre und für seinen guten Gaumen bekannte Fernsehkoch Jamie Oliver scheint nicht mehr bei den Kunden anzukommen. 22 seiner Restaurants musste er kürzlich schließen. Auch viele Systemgastronomie-Ketten stecken in der Krise. In Deutschland ist zuletzt die Marke Vapiano stark unter Druck geraten. Wie kann das sein? Schließlich steigen die Verbrauchsausgaben für den Außer-Haus-Verzehr seit Jahren unbeirrt. 

 

Anscheinend kann nicht jedes Gastro-Konzept gleichermaßen vom Appetit der Deutschen aufs Auswärtsessen profitieren. Dabei lag die Strategie vieler Ketten, mit ihren Filialen in die Zentren der Metropolen zu ziehen, durchaus im (Urbanisierungs-)Trend. Marktwachstum in der Gastronomie findet seit Jahren hauptsächlich in den Großstädten statt. Dort gibt es neben steigenden Verbrauchsausgaben für den Außer-Haus-Verzehr oft auch mehr Singles und Alleinstehende sowie Studenten, die das Kochen gerne anderen überlassen. Ab in die Innenstädte also und dann wird alles gut? Leider nein.

Großstädter werden immer distanzsensibler – ein Trend, der bereits aus dem (Lebensmittel-)Einzelhandel bekannt ist. Immer seltener sind sie bereit, für Dinge des täglichen Bedarfs längere Wege zurückzulegen. Auch nicht für gastronomische Angebote. Konzepte wie L’Osteria haben bereits reagiert und stellen sich breiter und flexibler auf. Zwar versucht auch L’Osteria mit seinen Restaurants möglichst nahe am Kunden zu sein. Und um in die hochverdichteten Innenstadtlagen zu kommen, werden die Flächenkonzepte entsprechend angepasst und verkleinert. Nähe ist jedoch nicht alles. Statt sich nur auf die vermeintlich spektakulärsten Standorte zu konzentrieren, geht es vor allem darum, erreichbarzu sein. Das gelingt allerdings nur, wenn sich der Standort in die alltäglichen Wege und Gewohnheiten der Menschen integriert.

 

Bleiben wir bei dem Beispiel L’Osteria, das in München verstärkt in die Wohnlagen (z. B. am Rotkreuzplatz) sowie mit größeren Stand-Alone-Filialen an Ausfallstraßen und in die Fachmarktlagen vordringt. Dahinter steckt Kalkül: Nehmen die Münchener zum Essengehen nicht mehr den Weg ins Zentrum in Kauf, müssen die Filialen eben erreichbarer werden und den Kunden dort abholen, wo es für ihn am bequemsten erreichbar ist. Und das kann eben auch eine Ausfallstraße am Stadtrand sein. L’Osteria hat beispielsweise eine Pilot-Filiale in Brunnthal direkt am südlichen Autobahnkreuz Münchens eröffnet – neue Expansionschancen für eine Branche, die noch viel vor sich hat.

Erstellt von Bernhard Schoofs, Momentum Real Estate