Interview mit Wolf-Jochen Schulte-Hillen, der eine Erfolgsstory aus USA und Asien nach Deutschland bringen will

Wolf-Jochen Schulte-Hillen
So sehen die modernen Automaten aus, die inzwischen unter anderem auch Textil-Produkte zum Kauf anbieten. Foto: Hensing

Was tun, wenn man etwas stationär kaufen möchte, doch alle Läden haben zu? Genau diese Angebotslücke in Malls, Fußgängerzonen, aber auch strukturschwachen, ländlichen Gebieten hat ein Unternehmen aus Emsdetten für sich erkannt und genutzt. Seitdem produziert er hochmoderne Selbstbedienungsautomaten, die alle Arten von Waren für  Verbraucher rund um die Uhr bereit halten. Die Idee ist nicht wirklich neu, doch erst seit ein paar Jahren hat sie sich in den USA und Asien  zu einem interessanten und sehr erfolgreichen neuen Trend entwickelt. Wolf-Jochen Schulte-Hillen, der mit seiner Firma SH Selection internationale Einzelhandelsunternehmen berät, hat sie nach Deutschland gebracht. Mit ihm sprach HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller.

 

Herr Schulte-Hillen, Sie sind ein erfahrener Einzelhandelskenner, der jedes Jahr nicht nur in Europa, sondern auch vor allem in Asien und den USA Ausschau nach neuen Trends hält, um die Unternehmen hierzulande zukunftsgerichtet beraten zu können. Was hat es mit den Automaten auf sich?

Wolf-Jochen Schulte-Hillen: Automaten mit Waren gibt es schon seit gefühlten Ewigkeiten, doch hierzulande wurden darin meist Getränke, Süßigkeiten und Snacks angeboten. In anderen Ländern jedoch ist das Warenspektrum deutlich größer. Bei meinen Reisen konnte ich vielerorts feststellen, wie begehrt diese Geräte sind und was man mit ihnen für Möglichkeiten hat.

Und darum haben Sie gezielt einem Hersteller in Deutschland davon erzählt und beraten ihn seitdem bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen?

Wolf-Jochen Schulte-Hillen: Genau. Es ist die Emsdettener Firma Hensing, die bislang aber vor allem durch Automaten mit Frische-Produkten in ländlichen Gebieten von sich Reden gemacht hat. Eier, Milch, Fleisch etc., die überall auch sehr gut laufen.

Was aber ist in den USA, Japan und China denn so anders?

Wolf-Jochen Schulte-Hillen: Dort gibt es zusätzliche Funktionalitäten, aber vor allem attraktive Produkte renommierter Labels, die in Automaten hierzulande bisher völlig undenkbar scheinen. Ich rede von internationalen Top-Modemarken, von berühmten Schmuckproduzenten, aber auch von Anbietern cooler Lifestyleprodukte. Das sind aber nur ein paar Beispiele. Die Auswahl ist dort schon jetzt riesig und wird größer und größer.

Sie sprachen von zusätzlichen Funktionen. Was denn für welche?

Wolf-Jochen Schulte-Hillen: Man hat an den Automaten Zugriff aufs Internet, kann Ware, die im Automaten nicht oder nicht mehr verfügbar sind, gleich bestellen und später dort abholen. Auch der Warenumtausch bzw.  die Warenrückgabe ist hier möglich. Hinzu kommen noch die Akzeptanz sämtlicher zahlungsmittel und Online-Kontrolle und -Service. Das alles sind doch super Chancen für Händler, Ihren Vertrieb auszuweiten.

Das klingt auf jeden Fall so. Wie teuer ist denn die Herstellung solch moderner Automaten?

Wolf-Jochen Schulte-Hillen: Ach im Grunde sind sie sogar günstig. Schon ab 10.000 Euro gibt es sie für einen Fläche von einem Quadratmeter zu kaufen. Und in der Regel haben sie sich schon nach wenigen Monaten amortisiert, denn der Monatsumsatz solcher Automaten ist bei einem guten Standort und Warenangebot fünfstellig.

Hier in Deutschland gibt es also ein riesiges Wachstumspotenzial.

Wolf-Jochen-Schulte-Hillen: Das kann man wirklich sagen. Die Firma Hensing hat in den letzten Jahren ca. 3.000 Automaten vor allem für Nahrungsmitteln outdoor aufgestellt. Allein in den ersten drei Monaten diesen Jahres sind weitere 800 ans Netz gegangen.

Was können Sie sich denn so vorstellen, was es bald alles vom Passau bis Flensburg so alles geben könnte?

 

Wolf-Jochen Schulte-Hillen: Die neuen Formate die auf der Panorama Fashionweek in Berlin vorgestellt wurden, erweitern die Angebotspalette um Angebote von Textilien, über Gadgets, Designartikel und Geschenke, Blumen, Fahrrad und IT-Zubehör. Das Angebot ist unbegrenzt - outdoor und indoor. 

Es sind sogar Automatenstores mit vielfältigem Angebot bis zu 20 Automaten im Aufbau. Wir unterstützen den Handel, falls gewünscht, gern bei der Produktauswahl.

Damit könnte der stationäre Handel in der Tat punkten – und die Umsetzung erscheint dich äußerst simpel.

Wolf-Jochen Schulte-Hillen: Eine Innovation, die im Grunde gar keine ist, aber für alle Beteiligten nur Vorteile bietet. An 365 Tagen 24 Stunden lang Zusatzumsätze zu generieren sind doch Argumente, oder?