„Survival of the Fittest“ und Erfolgsstrategien beim Retailer Meeting in Soest

In der voll besetzten Soester Stadthalle lotete die Retail-Branche zukunftsweisende Themen aus. Foto: HI-HEUTE
Top-Keynote-Speaker - hier Manuel Jahn von der GfK - präsentierten die Trends. Foto: HI-HEUTE
Networking im Grünen: Bei sonnigem Wetter verlagerte sich so manches Gespräch nach draußen. Foto: HI-HEUTE

Der Kunde lässt sich nicht ausbremsen und bestimmt die Trends: ein Fazit des Retailer Meetings in der Stadthalle Soest. Auf der Agenda des gut besuchten Branchentreffens in der alten Hansestadt am Hellweg standen unter anderem Shopping-Experience vs. Routine-Einkauf und die Herausforderungen der Fläche.

Fakten, zündende Ideen, Networking  und Sight-Seeing in der historischen Altstadt prägten den erstmals von Heuer Dialog und der dvf conference group organisierten Kongress. Eingeladen waren namhafte Keynote-Speaker, und in Panels ergaben sich spannende Diskussionen. Uwe Hillemeyer von Hillemeyer Immobilien, der den Event aus der Taufe gehoben hat, war in einer dieser Expertenrunden auf der Bühne aktiv.

Weg von klassischen Produktstrategien und hin zum Concept Store: Diesen Mega-Trend hat Manuel Jahn, Head of Financial Services GfK SE, ausgemacht. Retailer seien heute gefordert, viele verschiedene Dinge ins Konzept einfließen zu lassen, beispielsweise Gastronomie und Working Spaces. Die Vermischung alter und neuer Strategien führe zu Konzeptvielfalt und Added Values im Sínne von Überraschung, Auswahl, Ambiente und Inszenierung.  Und so plädierte er für Imagewandel sowie die Überwindung von Genre-Grenzen.

Qualität und Preis stehen im Fokus

Expandierende Discounter- und Offprice-Formate belegen mit eindrucksvollen Bilanzen, dass der Preis für den Kunden wichtig bleibt. „Daneben achten Verbraucher jedoch überwiegend auf Qualität – und das hat Konsequenzen“, führte Jahn aus. Beide Schienen zu bedienen, sei auf Dauer unabdingbar. „Wir müssen dem Kunden die Wünsche von den Lippen ablesen“, merkte er an. In der Folge sind Trends wie die Weiterentwicklung von Stand-alone-Standorten, die Erhöhung der Gastronomieanteile oder Peak Hours wie das Casual Dinner auf dem Vormarsch.

 

Mega-Trend Connectivity

Als Mega-Trend strich Jahn Connectivity heraus, „ein Thema, das uns die nächsten 20 Jahre beschäftigt”. Fast jeder nutzt ein Handy – auf diese Weise können Produkte oder Events in kürzester Zeit Aufmerksamkeit rund um den Erdball erlangen. „Der Konsument ist besser informiert, als wir glauben“, stellte der Referent klar. „Wir müssen in Verknüpfungen denken, denn der Veränderungsdruck kommt vom Kunden. Mobile Nutzer und insbesondere Streamer zu aktivieren, ist ebenso wichtig wie das etwas andere Werbekonzept.“

Aufwertung und Revitalisierung hilft Mietern

„Es gibt keine guten oder schlechten Assets, alle haben ihre Berechtigung“, so Johannes Palla, Geschäftsführender Gesellschafter Habona Invest. Sein Thema waren die Zukunftserwartungen von Mietern in Handelsimmobilien. Der Vermieter müsse aktiv auf die Wünsche der Mieter eingehen - und da stehe an erster Stelle die Revitalisierung von Objekten, denn „die Zeiten der großen Expansionen sind vorbei“. Die Schaffung beispielsweise von Multichannel-Angeboten, Abholzentren, sozialen Funktionen oder einem Verteilernetz benannte er als zukünftige Aufgaben - hybride Lösungen seien gefragt. Sein Fazit: „Mieter und Investoren müssen extrem eng zusammenarbeiten und nachhaltige Standorte schaffen.“

Viele Vorteile in Mittelstädten

Für den Standort Mittelstadt machte sich Reinhard Mussehl von der HBB stark. Als Vorteile nannte er die Lage in Agglomerationsräumen, gute Sozialstruktur, stabile Bevölkerungsentwicklung und kürzere Entscheidungswege. Ferner seien dort viele Ankermieter noch nicht vertreten, und kleinere Städte ständen noch nicht so stark im Fokus der Wettbewerber.

Leuchtturmprojekte zur Innenstadtbelebung

Ob der Einzelhandel in der City überhaupt noch eine Chance habe, diskutierten die Experten in einem Panel. Dies sei insbesondere für kleinere Städte ein Riesenthema. Zum Erfolg führen intelligente Wachstums- und Lebensstrategien, waren sie sich einig – und nannten Beispiele wie „Online-City“ in Wuppertal, die aus 200 kleinen Einzelgrundstücken entstandene Emsgalerie in Rheine und das Plauener FuZo-Projekt „Schräg ist spitze“. Ein Vorschlag, um den Online-Handel auszubremsen, war die „Erstattung von Versandkosten“ mittels kostenloser innerstädtischer Parkmöglichkeiten. Tipp der Experten: „Jetzt schon einen Teil des Ladens umnutzen, um sich in sämtlichen Feldern gut aufzustellen.“

Baurecht muss kein Hemmschuh sein

Auf der Wunschliste der Retailer steht eine bessere Zusammenarbeit mit Stadtplanern und Baubehörden ziemlich weit oben. Das Reglement des Baurechtes sei an sich sinnvoll, um historische Bausubstanz zu schützen und den innerstädtischen Einzelhändlern Sicherheit zu geben. Wenig konstruktiv seien indes zu lange Prozesse und Überregulierung. Daher gelte es, gemeinsam mit den Städten an Lösungen zu arbeiten, statt Fronten zu bilden. Hilfreich seien dabei Know-how-Transfer und die genaue Definition von Konzepten. Die Entwickler forderten seitens der Kommunen zudem „etwas mehr Verbindlichkeit“.

Zukunftsweisende E-Commerce-Strategien

Sich mit digitalen Technologien auseinanderzusetzen, ist für Retailer längst keine Kür mehr. Im „Innovationsradar“ legte Cliff Pfefferkorn von der eStrategie Consulting GmbH dem Einzelhandel zentrale Strategien ans Herz, die dringend auf der Roadmap liegen sollten. „Eine Vielzahl stationärer Kaufentscheidungen beginnt online“, plädierte er für die digitale Sichtbarkeit lokal verfügbarer Sortimente. Digital unterstützte Services wie Kundenkarten, Gratislieferung oder Cashback dienen zur Kundenbindung und Datenerhebung, und während des Einkaufs seien Besucher „in Echtzeit“ durch Mobile Devices ansprechbar. Auf To-Do  stehen ferner Mobile Payment, Same-Day-Delivery sowie intelligente Roboter, die Kunden durch den Markt navigieren. Und wer Marketing am Puls der Zeit konsequent durchdenkt, landet unweigerlich bei  Formaten wie Pop-Up-Stores, Digital Signage, Offline-Marktplätzen oder Feature-Stores.

 

Erstellt von smue