Ein Gastbeitrag von Torsten C. Wesch, Geschäftsführer redos institutional GmbH

Torsten C. Wesch, Geschäftsführer redos institutional GmbH

Die Deutschen kaufen und kaufen. Der private Konsum stieg 2015 so stark an wie seit 15 Jahren nicht mehr, und auch in diesem Jahr ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Kauflaune eintrübt. Die Inflation ist gering und die Zinsen niedrig, auf der anderen Seite steigt die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland stetig. Der Einzelhandel profitiert von dieser Entwicklung – allerdings nicht überall. In den Innenstädten der Kleinstädte stirbt der Handel langsam aus. Gleichzeitig steigen jedoch die Ladenmieten in kleineren und mittleren Städten deutlich an, die gesuchten Flächen werden sogar knapp. Paradox erscheint das nur auf den ersten Blick, sagt Torsten C. Wesch, Geschäftsführer redos institutional GmbH in einem Exklusiv-Gastbeitrag für HI-HEUTE.

 

Torsten C. Wesch: „In Kleinstädten suchen die Investoren vor allem den Weg in die Peripherie. Fachmarktzentren, SB-Warenhäuser, Supermärkte werden stark nachgefragt und sind durch die restriktive Neubaupolitik gleichzeitig nur begrenzt verfügbar, deshalb steigen in diesem Bereich die Preise. Innerstädtische Geschäftshäuser sind dagegen wenig begehrt.“

Wesch weiter: „Das hat zwar einerseits mit dem weiter wachsenden E-Commerce zu tun, der dem stationären Einzelhandel insgesamt Marktanteile abnimmt. Aber das Problem ist auch hausgemacht, denn die innerstädtische Fläche, für die es eine Nachfrage geben könnte, bieten Kleinstädte oftmals nicht an. 300 bis 400 Quadratmeter stehen dort in der Regel zur Verfügung – maximal. Im Schnitt sind es eher 100 bis 150 Quadratmeter. Filialisten etwa können mit diesen kleinen Flächen oft nichts anfangen. Ein ungünstiger Ladenzuschnitt, veraltete Haustechnik oder ein fehlender stufenfreier Zugang bringen weitere Probleme. Erfolg haben dort deshalb vor allem kleine Spezialgeschäfte wie Juweliere, Bastelgeschäfte oder Sanitätshäuser. Die sind nicht abhängig von Laufkundschaft, sondern ziehen ihre Kunden gezielt an – was natürlich nicht allein für eine Belebung der Innenstädte sorgen kann.“

Aber noch andere Aspekte sieht Torsten C. Wesch in diesem Zusammenhang: „Viele Investoren scheuen sich auch, in Kleinstädten zu investieren, weil Geschäftshäuser dort häufig gleichzeitig Büroflächen und Wohnungen umfassen. Das macht die Verwaltung komplizierter und erhöht das Leerstandsrisiko für diese Mischnutzung. Das Monitoring ist in Kleinstädten zudem wesentlich aufwändiger und weniger transparent als in größeren Städten, wo bereits umfangreiche Marktberichte zur Verfügung stehen. Auch das Risiko für den Investor ist somit tendenziell größer.

 

Kleinstädte müssen sich dieser Entwicklung anpassen, um einen möglicherweise ruinösen Wettbewerb zwischen dem Handel in der Innenstadt und dem in der Peripherie zu verhindern. Das kann gelingen, wenn sie die Fachgeschäfte stärken, die Aufenthaltsqualität durch neue gastronomische Konzepte erhöhen und die Innenstadtbereiche mit den in den peripheren Lagen angesiedelten Fachmarktzentren verknüpfen. Leerstandsrisiken im Innenstadtbereich würden sich so reduzieren und die Geschäftshäuser für Investoren wieder attraktiver.“

Erstellt von Torsten C. Wesch (Gastautor)