Einkaufscenter nutzen sehr differenzierte Modelle, um neue Kunden zu gewinnen

Gastronomie in Einkaufscentern wird immer stylischer. Foto: Hagen-Ladenbau

Gastronomie in Shopping Centern wächst, wird aber vor allem immer spezialisierter und spricht mittlerweile deutlich unterschiedliche und klar definierte Zielgruppen an. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „The successful Integration of Food & Beverage within Retail Real Estate“, die JLL im Auftrag des International Council of Shopping Centers (ICSC) erstellt hat. Grundlage der weltweiten Studie sind Interviews mit mehr als 20 Branchenexperten sowie eine Vielzahl von Fallbeispielen.

 

Galt Gastronomie lange als Ergänzung der Center, so hat sie sich mittlerweile zu einem potenziellen Ankermieter entwickelt. Der Anteil in Shopping Centern wird bis 2025 auf mehr als 20 Prozent der Bruttogesamtmietfläche steigen. Damit vollzieht sich auch in den Shopping Centern, was auf dem deutschen Vermietungsmarkt für Einzelhandelsimmobilien in High-Street-Lagen im Segment Lebensmittel/Food seit einigen Jahren zu beobachten ist: Systemgastronomie, Imbisse und Coffee-Konzepte bauen ihren Anteil in dem Sektor rasant aus – von 28 Prozent Marktanteil bei den Neuvermietungen in dieser Sparte im Jahr 2012 auf 49 Prozent im vergangenen Jahr. Dafür ging in diesem Zeitraum der Anteil von Lebensmittelläden an der Neuvermietung sichtbar von 70 auf 47 Prozent zurück.

Anke Kaukars, Head of Shopping Center Services JLL Germany: „Für viele Kunden in Shopping Centern sind mittlerweile die Aufenthaltsqualität, das Erlebnis und der Genuss ein entscheidender Grund überhaupt ins Center zu kommen und nicht vom Sofa aus einzukaufen. Soziale Kontakte zu pflegen und etwas zu erleben ist essentieller Mehrwert der Shopping Center geworden. Ein gutes Gastronomieangebot ist dabei unverzichtbar.“

Vor allem Foodcourts haben sich für Betreiber von Shopping Centern zu einer wichtigen Mieteinnahmequelle gemausert. „Sie profitieren von der Kombination mehrerer Anbieter und gemeinsamen, hochwertig gestalteten Flächen (Bestuhlung, Toiletten, Terrassen, etc.). Aber auch der klassische Restaurantbetrieb, der die letzten Jahre eher eine untergeordnete Rolle gespielt hat, gewinnt zunehmend an Bedeutung, sehr gut ablesbar zum Beispiel an dem extrem starken Wachstum von hochwertigen Burger-Konzepten “

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Gastronomie ist laut Studie, dass Gastronomie von Asset und Center Managern mittlerweile als eigene Kategorie und nicht als Variante des klassischen Einzelhandels verstanden und behandelt wird. „Erfolgreiche Gastronomie benötigt viel Fingerspitzengefühl in der Konzeption und Mieterauswahl, denn es werden viele Bereiche des Centermanagements berührt – von der Anlieferung über besondere technische Anlagen bis hin zu Aufenthaltsräumen für die Belegschaft. JLL hat deshalb bereits Spezialisten für die Gastronomie-Vermietung ausgebildet“, schildert Kaukars.

Bislang wurde Gastronomie eher grob in den drei Bereichen „Restaurant mit Sitzbereich“, „Fast Food“ und Mitnahmeservice (Take-Away) wahrgenommen. Die aktuelle JLL-Studie für den International Council of Shopping Centers geht darüber hinaus und skizziert acht Kategorien: 1. Naschereien, 2. Coffee-Konzepte, 3. Fast Food, 4. Fast Casual, 5. Casual Dining, 6. Fine Dining, 7. Social Drinking, 8. Gourmet.

 

Anke Kaukars: „Die gewachsene Bedeutung der Gastronomie für die Konsumenten bietet den Betreibern von Shopping Centern neue Chancen, um den Kunden noch mehr Erlebnis zu bieten und zugleich deren Verweildauer im Center spürbar zu erhöhen. Um innovativ zu sein, dürfen sie allerdings nicht allein auf die Bonität großer Ketten setzen, denn ein trendiges Konzept wird oft von kleineren Anbietern angestoßen.“ Wie Mode wechselt auch Gastronomie schnell das Gesicht. Entsprechend sollte der Ausbau zwar ansprechend sein, sich aber spätestens nach fünf Jahren amortisiert haben.