Auch „Nahrungskette“ und „Seetangstelle“ punkten beim Konzept-Wettbewerb

Nur keine Hemmungen: Der Siegerentwurf „Lucullus Palace“ soll bewusst polarisieren. Grafik: Restaurant der Zukunft
Nick Förster und Janina Sieber gehen als Sieger aus dem Contest hervor. Foto: Restaurant der Zukunft
Auf den zweiten Platz kam der Entwurf „Die Nahrungskette“ von Frederick Daniel Leinfelder. Grafik: Restaurant der Zukunft

Mit dem kühnen Entwurf „Lucullus Palace“, einem Gastro-Palast, in dem die Gäste mit allen Sinnen genießen, hat das Studententeam  Janina Sieber von der TU Berlin und Nick Förster von der TU München den Wettbewerb „Restaurant der Zukunft – Gastronomie 4.0“ gewonnen.

Alle drei Preisträger sowie weitere visionäre Konzepte werden bei der Präsentation am Stand der Fachzeitschrift Gastronomie-Report auf der bis zum 7. Februar laufenden Gastro-Fachmesse INTERGASTRA erstmals vorgestellt.

Bewusst provokantes Konzept

Das Sieger-Team setzt auf Sinnesfreude, denn am Eingang des „Lucullus Place“ geben die Gäste nicht nur ihr Handy ab, sondern auch ihre Hemmungen. Dafür erhalten sie eine Maske wie bei einem venezianischen Ball. Speisen und Getränke können gern auch im Separee genossen werden – im Liegen und nackt wie Adam und Eva. Zu den Highlights im gehört das Durchschwimmen eines kleinen Sees, der nicht mit Wasser, sondern White-Russians-Cocktail gefüllt ist. Schließlich erreichen die Gäste eine riesigen Ente.  Wie das Innere aussieht, wird nicht verraten – Kopfkino ist angesagt. Insgesamt ist  „Lucullus Palace“ ein Konzept, das extrem polarisiert. Die Botschaft ist klar: Im Restaurant der Zukunft wollen Gäste mit allen Sinnen angesprochen und verwöhnt werden.  „Eine fantasievolle, utopische Rückführung auf die Urtriebe“, so Juror und Gastro-Architekt Philipp Zimmermann.  Und sein Kollege Sascha Arnold urteilt: „Erlebnisgastronomie par excellence, mit einem Augenzwinkern zu betrachten.“

Ökosystem unter einem Dach

„Eine sehr urbane Lösung für die Stadt der Zukunft“, nennt Jurorin Sabine Schneider das Konzept „Die Nahrungskette“, mit dem Frederick Daniel Leinfelder von der TU Berlin den zweiten Platz des Wettbewerbs erreichte. Dieser „Gastro-Tower“ bietet ein Ökosystem unter einem Dach, das vom Produzieren – im Sinne von Urban Gardening und Viehwirtschaft - über das Konsumieren mit Kulturcafé, Restaurant und Kitchen-Sharing bis hin zum Recycling und zur Kompostierung reicht. Entgegen den Trends der Digitalisierung will „Die Nahrungskette“ einen Ort des Verweilens und des kulturellen Austauschs schaffen. Architektonisch umgesetzt wird der Öko-Kreislauf durch die Spirale, die sich um den Tower schmiegt.

 

Tang wird wichtige Ressource

Das Thema „Alles unter einem Dach“ steht auch beim dritten Platz, der „Seetangstelle“ von Marius Westermann von der TU Dortmund im Mittelpunkt, allerdings herunter gebrochen auf eine einzelne Produktgruppe. Wie schon der Name suggeriert: eine Tankstelle für Seetang! Damit wird eine Ressource, die eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Zukunft spielen kann und schon heute von vielen Spitzenköchen weltweit verwendet wird, in den Fokus gerückt. Seegras, Tang und Algen werden aber nicht nur in Miso-Suppen und Co. zubereitet, sondern an der Hausfront hinter einer grünen Glasfront auch angebaut und geerntet. Kommentar von Juror Frank Waldecker: „Einfach – genial, am Ende sinnvoll.“

Jugend einfach mal machen lassen

Den weltweit einzigartigen Wettbewerb „Restaurant der Zukunft“ veranstaltet seit 2004 alle zwei Jahre der Münchner Verleger Willy Faber, Herausgeber der Fachzeitschrift Gastronomie-Report – heuer erstmals in Kooperation mit dem Architekturmagazin Baumeister. „Bei unserem Zukunfts-Wettbewerb geht es nicht darum, fertige Konzepte zu liefern, die 1 : 1 umsetzbar sind. Es geht vielmehr darum, der Branche ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie die Jugend von heute tickt und welche Wünsche und Sehnsüchte sie an die Gastronomie von morgen hat“, so Willy Faber. „Ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert, welche Kreativität freigesetzt wird, wenn man junge Leute einfach mal machen lässt. Nur so ist es auch immer wieder möglich, dem Gastgewerbe branchenübergreifend wertvolle Inputs und Visionen zu geben. Bei bislang jedem Wettbewerb sind andere Strömungen erkennbar geworden, die sich hinterher tatsächlich in Gastro- Konzepten niedergeschlagen und internationale Relevanz erlangt haben.“