Exklusiv-Interview mit Bernhard Schoofs, geschäftsführender Gesellschafter der MOMENTUM Real Estate GmbH

Geschäftsführer der MOMENTUM Real Estate GmbH: Bernhard Schoofs. Foto: MOMENTUM

Bernhard Schoofs ist einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter der MOMENTUM Real Estate GmbH, die sich um das Asset- und Property Management von Einzelhandelsimmobilien kümmert. HI HEUTE-Chefredakteur Thorsten Müller sprach mit ihm über letzte und neueste Projekte, aber auch über die Auswirkungen des Online-Handels.

 

HI HEUTE: Herr Schoofs, Ihr Unternehmen, das Sie 2010 – damals noch unter anderem Namen – zusammen mit Frank Wegner gründeten, ist noch vergleichsweise jung. Sie selbst aber sind in der Immobilienbranche schon sehr viel länger unterwegs. 

Bernhard Schoofs: Ja, das ist richtig. 1993 fing ich bei der HAHN Gruppe an, war dort zunächst Leiter für Finanz- und Rechnungswesen. Einzelhandelsimmobilien standen bei meiner Arbeit stets im Mittelpunkt und später auch die Kooperation mit institutionellen Investoren. 2003 kam es zu einer Premiere mit der MEAG, die sich als Versicherer erstmalig für Investments in Einzelhandelsimmobilien interessierte. Bald darauf brachte ich mit meinem Team den ersten Fonds an den Start. Er sollte nicht der einzige bleiben ....

HI HEUTE: Womit genau beschäftigt sich MOMENTUM?

Bernhard Schoofs: Wir haben uns auf die Bestandsrevitalisierung von Einzelhandelsimmobilien – primär Fachmärkte, Fachmarktcenter und Highstreet-Objekte– spezialisiert, also um Objekte, die in die Jahre gekommen sind. Hier geht es inhaltlich überwiegend um alte Gebäudestrukturen und auslaufende Mietverträge. Seit einem Jahr beschäftigen wir uns aber auch verstärkt mit der Integration von Systemgastronomie, in der wir eine wichtige Funktion für diese Objekte sehen.

HI HEUTE: Welches waren in letzter Zeit Ihre wesentlichen Projekte?

Bernhard Schoofs: In Fulda haben wir beispielsweise unsere Pläne in die Tat umgesetzt, aus der Zentrale des dortigen Versorgers RhönEnergie eine Einzelhandelsimmobilie zu entwickeln. Also der Immobilie eine ganz neue Nutzung zu verschaffen, weil der gut gelegene Standort das hergibt. Ein anderes Beispiel ist der durch die Momentum gewonnene Investorenwettbewerb in Leverkusen-Opladen. Hier werden wir ein Quartier entwickeln, bei dem der Schwerpunkt neben Einzelhandel und Gastronomie auf Wohnen und Coworking liegt.

HI HEUTE: Dabei haben Sie sicher auch mit Mietern über eine Flächenerweiterung gesprochen?

Bernhard Schoofs: Ansprechpartner waren bzw. sind jene Händler, die stark im Omnichanneling sind, denn die brauchen mehr Platz, um beispielsweise deutlich mehr Produkte vor Ort bereitstellen zu können. Ein ZARA zum Beispiel denkt an einwohnerstarken Standorten nicht an Verkleinerung, sondern viel eher Flächenvergrößerung. Schließlich sollen die Kunden mit und in einem System bedient werden können.

HI HEUTE: Wie denken Sie über den aktuellen Wettbewerb zwischen Online und Offline-Shopping?

Bernhard Schoofs: Es wird hier nach wie vor viel zu emotional diskutiert, was in der Frage mündet „Stirbt die Einzelhandelsimmobilie den digitalen Tod? Dazu sage ich: Nein, wird sie nicht. Wenn das so wäre, würden die Amazons dieser Welt nicht immer häufiger auch stationäre Geschäftswege gehen. Für große Städte zum Beispiel ist Online keine wirklich große Bedrohung. JLL hat passend dazu kürzlich festgestellt, dass sich die Besucherfrequenzen in den Einkaufsstraßen der großen Metropolen nur unwesentlich verschlechtert haben. Aber die kleineren Städte haben hier Probleme oder bekommen sie noch. Die Ursachen liegen zu einem Großteil in demografischen Veränderungen.

 

HI HEUTE: Was haben Sie sich für 2019 vorgenommen?

Bernhard Schoofs: Ein kleines Portfolio von drei Highstreet-Projekten, allesamt in den deutschen TOP-30-Städten, zu revitalisieren. Inhaltlich geht es primär um Repositionierung und den Wandel der Formate. Bedeutet: Für einstige Textilisten kommen Gastronomen oder Lebensmittler und übernähmen die Ladenflächen.

HI HEUTE: Wird das auf Sicht so bleiben?

Bernhard Schoofs: Es ist aus meiner Sicht ein mittelfristiger Trend und hat viel mit Reurbanisierung zu tun. Die Nahversorgung muss sichergestellt sein. Wir interessieren uns ja auch zunehmend für Systemgastronomie, weil wir wissen, dass Deutschland hier noch unterversorgt ist. Vielfalt darf nicht nur in den Top-Städten existieren!