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11. Februar 2026

Mode- und Schuhhandel weiter unter extremem Druck

KAUM WACHSTUM, ROTE ZAHLEN: BRANCHE APPELLIERT AN POLITIK
Der Bekleidungshandel steht weiterhin unter starkem Druck.
Foto: Unsplash / Egor Myznik

Der deutsche Bekleidungs- und Schuhhandel blickt auf ein schwieriges Jahr 2025 zurück. Zwar stieg der Umsatz im Bekleidungshandel nominal leicht, doch die operative Lage vieler stationärer Händler bleibt angespannt. Besonders alarmierend: Ein großer Teil der Unternehmen arbeitet inzwischen defizitär. Der Handelsverband BTE spricht von einer dramatischen Entwicklung und fordert politische Gegenmaßnahmen.

Nach Berechnungen des BTE setzte der Handel über alle Vertriebsformen hinweg im Jahr 2025 Bekleidung im Wert von 57,14 Milliarden Euro um – nach 56,54 Milliarden Euro im Vorjahr. Das entspricht lediglich einem nominalen Plus von rund einem Prozent. Innerhalb der Branche zeigten sich deutliche Unterschiede: Während reine Online-Modehändler erneut zu den Gewinnern zählten, stagnierte der stationäre Bekleidungsfachhandel nahezu auf Vorjahresniveau. Andere stationäre Vertriebskanäle, etwa Warenhäuser, mussten weitere Umsatzrückgänge hinnehmen. Noch kritischer ist die Lage bei den operativen Geschäftsergebnissen. Laut einer aktuellen BTE-Umfrage landete – unter Berücksichtigung kalkulatorischer Kosten – jeder zweite stationäre Bekleidungshändler in den roten Zahlen. Bei 18 Prozent der Unternehmen lag der operative Verlust sogar bei fünf Prozent oder schlechter.

Angespannte Situation

Im Schuhhandel fiel die Entwicklung noch ungünstiger aus. Das Marktvolumen sank von rund 11,66 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 11,48 Milliarden Euro im Jahr 2025 – ein Minus von etwa anderthalb Prozent. Besonders stark betroffen waren stationäre Schuhfachgeschäfte, die Umsatzverluste von nahezu vier Prozent verzeichneten. Gleichzeitig konnten reine Online-Schuhanbieter ihre Umsätze steigern. Die wirtschaftliche Situation vieler stationärer Händler ist entsprechend angespannt: Rund 67 Prozent meldeten ein negatives operatives Ergebnis, bei 37 Prozent lag der Verlust bei fünf Prozent oder mehr.

Rauschen: „Horrorszenario“

BTE-Präsident Mark Rauschen sieht die Branche an einem kritischen Punkt: „Das Jahr 2025 hat unseren Branchen einen weiteren herben Rückschlag beschert. Wenn durchschnittlich deutlich mehr als die Hälfte aller Bekleidungs- und Schuhhändler operative Verluste machen, dann ist das ein wahres Horrorszenario. Die Entwicklung ist wirklich dramatisch, und wir müssen aufpassen, dass noch bestehende stationäre Handels- und Versorgungsstrukturen unserer Branchen nicht vollends wegbrechen. Der Exitus unserer Branchen muss gestoppt werden“, konstatiert BTE-Präsident Mark Rauschen, geschäftsführender Gesellschafter des Osnabrücker Modehauses L&T Lengermann & Trieschmann.

Verhaltene Erwartungen

Auch die Erwartungen für 2026 fallen verhalten aus. Nur etwa 30 Prozent der Bekleidungshändler rechnen laut BTE mit einem nennenswerten Umsatzplus. 34 Prozent befürchten dagegen einen Rückgang von mindestens einem Prozent, während der Rest von einer Seitwärtsbewegung ausgeht. Im Schuhhandel ist die Stimmung noch gedämpfter: Lediglich 16 Prozent der Händler erwarten ein leichtes Wachstum von bis zu fünf Prozent. Rund die Hälfte rechnet mit stagnierenden Umsätzen, ein Drittel mit deutlichen Einbußen. Als zentrale Ursachen nennen die Händler den weiterhin schwachen privaten Konsum. Hinzu kommen hohe Kostenbelastungen, bürokratische Hürden sowie der intensive Wettbewerb mit asiatischen Plattformen. Auch der Attraktivitätsverlust vieler Innenstädte belastet das Geschäft zusätzlich.

Konsumschub gefordert

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband schnelle politische Impulse zur Stärkung der Nachfrage. Rauschen betont: „Was wir brauchen, ist ein Konsumschub, mit deutlichen Steuerentlastungen und weiteren Senkungen der Energiekosten für alle Menschen. Die Leute brauchen effektiv mehr Geld in ihren Portemonnaies, um es auch bei uns ohne große Sorgen und Überlegungen mit Freude ausgeben zu können. Wir leben in der Masse von der Mittelschicht, und die muss vor allem entlastet beziehungsweise gestärkt werden.“

Knoten durchschlagen

Darüber hinaus verlangt der BTE spürbare Entlastungen bei Kosten und Bürokratie. BTE-Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels kritisiert mangelnde Fortschritte: „Seit Jahren tragen wir diese Forderungen nach Entlastungen unserer Branchen wie ein Mantra vor. Bisher ist bis auf viele Versprechungen wenig umgesetzt oder angegangen worden. Hier muss der Knoten endlich durchschlagen werden, damit unsere Unternehmen wieder mehr investieren und sich stärker engagieren können. Gerade wir als Mode- und Schuhhandelsbranche haben oft das Gefühl, dass uns die Politik ständig Knüppel zwischen die Beine wirft, anstatt uns in unserem Handeln zu unterstützen. Das muss sich ändern.“

Billig-Konkurrenz aus Fernost

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft aus Sicht des Verbands die ungleichen Wettbewerbsbedingungen gegenüber asiatischen Plattformen. Während deutsche Händler strengen bürokratischen Vorgaben unterliegen, gelangten große Mengen teils fragwürdiger Billigware nahezu unkontrolliert auf den europäischen Markt. Hier fordert der BTE verstärkte nationale und europäische Maßnahmen.

Städte aktiv mitgestalten

Neben politischen Forderungen richtet der Verband auch Appelle an die eigene Branche. Unternehmen müssten ihre Geschäftsprozesse weiter optimieren und sich stärker in Werbe- und Citymarketinginitiativen engagieren, um die Attraktivität der Innenstädte aktiv mitzugestalten. Nur durch gemeinsames Handeln könne es gelingen, die stationären Handelsstrukturen langfristig zu stabilisieren.

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