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Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Deutschland für Speisen in der Gastronomie wieder der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben statt zuvor 19 Prozent. Die Maßnahme sollte Restaurants entlasten und zugleich den Konsum beleben. Doch erste Daten und Verbraucherbefragungen zeichnen ein anderes Bild: Für viele Gäste bleibt der Restaurantbesuch weiterhin zu teuer.
Neue Auswertungen von Konsumentenpanels und Befragungen – unter anderem von YouGov – zeigen, dass die steuerliche Entlastung bei vielen Verbrauchern kaum wahrgenommen wird. Nur ein kleiner Teil der Befragten berichtet von sinkenden Preisen in Restaurants oder Imbissen. Im klassischen Restaurantbereich geben lediglich rund sechs Prozent an, günstigere Preise bemerkt zu haben. Selbst im Fast-Food-Segment liegt dieser Anteil nur bei etwa zwölf Prozent.
Ein Grund für die schwache Wahrnehmung liegt in der Preisentwicklung der vergangenen Jahre. Zwischen 2021 und 2025 sind die Preise in der Gastronomie deutlich gestiegen. Bei Schnellrestaurantgerichten etwa legten sie im Durchschnitt um rund 28 Prozent zu. Vor diesem Hintergrund wirken punktuelle Preissenkungen oder stabile Preise für viele Verbraucher kaum entlastend. Auch Datenanalysen von Speisekarten bestätigen diesen Eindruck. Eine Auswertung von über 30.000 gastronomischen Betrieben zeigt, dass die Preise seit Einführung der Steuererleichterung im Durchschnitt kaum gesunken sind. Stattdessen blieben sie weitgehend stabil oder stiegen leicht an. Branchenvertreter verweisen darauf, dass gestiegene Kosten für Energie, Personal und Lebensmittel den Spielraum für Preissenkungen stark begrenzen.
Die Wahrnehmung hoher Preise hat spürbare Folgen für das Konsumverhalten. Trotz der steuerlichen Entlastung empfinden laut Umfragen rund 72 Prozent der Verbraucher den Restaurantbesuch weiterhin als zu teuer. Besonders ausgeprägt ist diese Einschätzung bei Familien und einkommensschwächeren Haushalten. Mehr als ein Drittel der Konsumenten gibt an, zuletzt seltener auswärts essen zu gehen. Auch das Verhalten während eines Besuchs verändert sich: Gäste bestellen häufiger weniger Speisen und Getränke. Auffällig ist insbesondere der Rückgang beim Getränkeverkauf – traditionell ein wichtiger Umsatzträger der Branche.
Parallel dazu hat sich die öffentliche Bewertung der Steuermaßnahme verändert. Während die Senkung vor ihrer Einführung breite Unterstützung fand, äußern viele Verbraucher inzwischen Zweifel an ihrer Wirksamkeit. Ein verbreiteter Eindruck lautet, dass vor allem die Gastronomiebetriebe selbst von der Steuerentlastung profitieren. Diese Wahrnehmung wird durch die Tatsache verstärkt, dass die Preise vielerorts stabil geblieben sind. Branchenverbände argumentieren jedoch, die Senkung habe vor allem verhindert, dass Restaurants ihre Preise angesichts stark gestiegener Kosten noch stärker erhöhen mussten.
Die Daten weisen zudem auf eine strukturelle Verschiebung im Ausgabeverhalten hin. Der überwiegende Teil der Lebensmittelausgaben entfällt weiterhin auf den Einkauf im Einzelhandel für den Konsum zuhause. Viele Verbraucher geben zudem an, eine steuerliche Entlastung bei Lebensmitteln im Supermarkt als wirksamer zu empfinden als eine Senkung in der Gastronomie. Für die Gastro-Branche entsteht daraus ein zunehmender wirtschaftlicher Druck. Bleiben Restaurantbesuche seltener und die Ausgaben pro Besuch geringer, geraten insbesondere kleinere Betriebe unter Druck.
Experten gehen deshalb davon aus, dass sich die Branche stärker auf neue Strategien konzentrieren muss. Neben Preisgestaltung könnten künftig vor allem Qualität, Zusatzangebote und Erlebnisfaktoren an Bedeutung gewinnen, um Gäste zurückzugewinnen. Fest steht: Die steuerliche Entlastung allein reicht offenbar nicht aus, um die Nachfrage nachhaltig anzukurbeln. Steigende Kosten, wirtschaftliche Unsicherheit und ein vorsichtigeres Konsumverhalten prägen weiterhin den Markt für die Gastronomie-Sparte in Deutschland.
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