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Für 33 der insgesamt 83 Galeria-Filialen beginnt eine entscheidende Phase. Deutschlands letzte große Warenhauskette stellt die Standorte auf den Prüfstand und macht deren Zukunft unmittelbar von erfolgreichen Verhandlungen über Mietkonditionen und Flächenanpassungen abhängig. Kommt mit den jeweiligen Immobilieneigentümern keine wirtschaftlich tragfähige Lösung zustande, droht die Schließung der betroffenen Häuser.
Geschäftsführer Tilo Hellenbock betont, jeder Standort werde individuell und „ergebnisoffen“ bewertet. Im Mittelpunkt stehen Gespräche mit den Vermietern über niedrigere Mieten, flexiblere Vertragsmodelle oder eine Anpassung der Verkaufsflächen. Wann die endgültigen Entscheidungen fallen, ließ das Unternehmen bislang offen.
Betroffen sind die Filialen in Freiburg (Europaplatz), Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen in Baden-Württemberg, Aschaffenburg, Bayreuth, Memmingen, München (Rotkreuzplatz) und Würzburg in Bayern, Berlin (Alexanderplatz, Hermannplatz, Kurfürstendamm und Spandau), Potsdam in Brandenburg, Hamburg-Eimsbüttel, Bad Homburg und Limburg an der Lahn in Hessen, Wismar in Mecklenburg-Vorpommern, Braunschweig und Oldenburg in Niedersachsen, Euskirchen, Kleve, Köln (Breite Straße, Hohe Straße und Nippes), Mülheim (Rhein-Ruhr Zentrum) sowie Münster (Salzstraße) in Nordrhein-Westfalen, Bad Kreuznach, Koblenz, Mainz und Speyer in Rheinland-Pfalz sowie Magdeburg in Sachsen-Anhalt.
Nach Angaben des Unternehmens wurden die Standorte insbesondere anhand ihrer Mietbelastung und ihrer Ertragskraft ausgewählt. Scheitern die Gespräche mit den Vermietern, sieht Galeria die wirtschaftliche Grundlage der jeweiligen Filiale als gefährdet an. Die Verhandlungen beschränken sich jedoch nicht auf die 33 Prüfstandorte. Auch an den übrigen 50 Warenhäusern will Galeria mit den Vermietern über bessere Konditionen sprechen. Parallel untersucht das Unternehmen Umzüge in wirtschaftlich attraktivere Immobilien und prüft sogar mögliche Neueröffnungen.
Die aktuelle Restrukturierung ist Teil eines umfassenden Sanierungsprogramms, das an eine neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro geknüpft ist. Das Geld stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Die Finanzierung soll die Liquidität des Unternehmens sichern, ist jedoch an die Umsetzung eines Sanierungsplans gebunden, der ausdrücklich weitere Filialschließungen vorsieht. Ein erheblicher Teil der Mittel dient zunächst allerdings nicht Investitionen, sondern der Ablösung eines Kredits des Minderheitsgesellschafters Bain Capital sowie der Begleichung offener Mietforderungen. Mehrere Vermieter hatten zuletzt beklagt, dass Mieten gar nicht oder nur teilweise überwiesen worden seien.
Bereits im Juni war bekannt geworden, dass rund ein Drittel der damals noch 83 Warenhäuser als wirtschaftlich besonders kritisch eingestuft worden war. Die nun veröffentlichte Liste konkretisiert erstmals, welche Filialen im Mittelpunkt der Restrukturierung stehen. Für Galeria ist es der nächste schwere Einschnitt. Anfang 2024 musste das Traditionsunternehmen bereits zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz anmelden. Auslöser war unter anderem der Zusammenbruch des Signa-Konzerns. Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens übernahmen die US-Investmentgesellschaft NRDC sowie eine Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz das Unternehmen. Bereits im Sommer 2024 wurden neun Warenhäuser geschlossen.
Die erneute Sanierung zeigt, dass Galeria trotz des Eigentümerwechsels weiterhin mit den strukturellen Problemen des klassischen Warenhausmodells kämpft. Hohe Innenstadtmieten, steigende Betriebskosten, ein verändertes Konsumverhalten, die anhaltende Verlagerung vieler Umsätze in den Onlinehandel sowie die schwache Konsumstimmung setzen das Unternehmen seit Jahren unter Druck. Gleichzeitig stehen zahlreiche Städte vor der Frage, welche Folgen mögliche Schließungen für ihre Innenstädte hätten. Galeria zählt vielerorts weiterhin zu den wichtigsten Frequenzbringern in den Stadtzentren. Ein Wegfall der Warenhäuser würde daher nicht nur Arbeitsplätze kosten, sondern könnte auch benachbarte Einzelhändler und Gastronomiebetriebe empfindlich treffen.
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