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17. Dezember 2025

Chancen für eine starke Zukunft des Einzelhandels

BTE-PRÄSIDENT MARK RAUSCHEN ZIEHT AM JAHRESENDE BILANZ
Insbesondere der Mode- und Schuhhandel steht unter Druck.
Foto: AdobeStock / Zurel
BTE-Präsident Mark Rauschen.
Foto: BTE

Mit deutlichen Worten beschreibt BTE-Präsident Mark Rauschen die angespannte Situation in der Textil-, Schuh- und Lederwarenbranche. Die anfängliche Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung habe sich nicht erfüllt. „Vor genau einem Jahr habe ich noch mit vorsichtigem Optimismus nach vorne geblickt. Heute müssen wir feststellen: Von den vollmundigen Versprechungen ist fast nichts geblieben“, erklärt Rauschen. Statt Aufschwung dominierten „Ernüchterung, Tristesse und eine beunruhigende Häufung von Umsatzeinbrüchen, Massenentlassungen und Insolvenzen“.

Besonders hart treffe es die Mode- und Schuhbranche. „Fast keine Woche vergeht ohne eine weitere Geschäftsaufgabe“, so der BTE-Präsident. Zwar könne man die Bundespolitik nicht für alle externen Belastungen verantwortlich machen – etwa für die US-Zollpolitik, den anhaltenden Krieg in der Ukraine oder die demografische Entwicklung. „Umso wichtiger ist aber, dass wir im Inland endlich wieder für Aufbruchstimmung sorgen und die Wirtschaft von unnötigen Fesseln befreien“, fordert Rauschen.

Signale aus Brüssel

Positiv bewertet er die jüngsten Signale aus Brüssel. „Die EU hat erkannt, dass sie es mit Bürokratie und Berichtspflichten übertrieben hat“, sagt Rauschen. Überzogene Vorgaben zu Lieferketten, Nachhaltigkeit und Entwaldung seien zurückgenommen oder zumindest entschärft worden. „Das sind sichtbare Erfolge unserer Verbandsarbeit im Zusammenspiel mit dem HDE und Eurocommerce.“

Mehr Freiheiten gefordert

Von der deutschen Politik erwartet der BTE-Präsident nun ähnliche Schritte. „Nicht nur der Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel braucht mehr Freiheiten, um im Wettbewerb mit globalen Playern bestehen zu können“, betont er. Besonders scharf kritisiert Rauschen die ungleichen Wettbewerbsbedingungen: „Es ist doch absurd, dass bei uns Nebensächlichkeiten wie Gebäudesicherheit oder Weihnachtsmarktgenehmigungen akribisch geprüft werden, während gleichzeitig millionenfach minderwertige und teils gesundheitsschädliche Ware unkontrolliert über asiatische Plattformen ins Land kommt.“

Sonntagsöffnung überdenken

Ein weiteres zentrales Anliegen ist für Rauschen der Ladenschluss. „Die Regelungen zur Sonntagsöffnung sind viel zu restriktiv“, sagt er. Sie führten dazu, „dass Kunden und Umsätze in den Onlinehandel oder ins benachbarte Ausland abwandern“. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten könne das existenzentscheidend sein. „Es geht nicht darum, dass sich Unternehmer eine goldene Nase verdienen“, stellt Rauschen klar. „Es geht ums Überleben der Geschäfte – und damit um die Sicherung der Arbeitsplätze.“

Rolle der Innenstädte

Auch für die Innenstädte sieht der BTE-Präsident dringenden Handlungsbedarf. „Leerstände setzen schnell eine Abwärtsspirale in Gang, die ganze Standorte massiv unter Druck setzt“, warnt er. Attraktive, geöffnete Geschäfte seien dagegen „das beste Mittel, um konsumwillige Menschen in die Stadt zu ziehen“. Politik, Verwaltung und Ordnungskräfte müssten stärker für ihre Rolle sensibilisiert werden. „Sicherheit und Sauberkeit sind Grundvoraussetzungen für lebendige Innenstädte.“

Alle Akteure gefragt

Dabei sieht Rauschen alle Akteure in der Pflicht. „Bei der Aufenthaltsqualität in unseren Cities tragen alle Innenstadt-Stakeholder Verantwortung“, sagt er. Engagement sei nicht nur vom Mittelstand gefragt, sondern ebenso von Filialisten, Gastronomie, Dienstleistern und Immobilienbesitzern. „Alle Betroffenen sind aufgerufen, Zeit und Budget bereitzustellen, damit unsere Innenstädte lebens- und liebenswert bleiben.“

Mehr Selbstkritik

Gleichzeitig mahnt der BTE-Präsident zur Selbstkritik innerhalb der Branche. „Wir haben unsere Hausaufgaben noch längst nicht vollständig gemacht“, räumt Rauschen ein. Vor allem das klassische Multilabel-Geschäftsmodell sei vielfach nicht mehr zeitgemäß. Studien hätten gezeigt, „dass mit tradierten Prozessen keine ausreichende Rendite mehr zu erwirtschaften ist“. Angesichts sinkender Umsätze sei sogar zu erwarten, „dass viele Händler in die roten Zahlen rutschen“.

Alles auf den Prüfstand

Seine Konsequenz daraus ist eindeutig: „In dieser Situation muss alles auf den Prüfstand.“ Um auch bei stagnierendem oder rückläufigem Umsatz profitabel zu bleiben, seien neue Wege nötig. „Ein entscheidender Hebel ist und bleibt das Warenmanagement – hier steckt noch enorm viel Potenzial.“ Erfolgreiche vertikale Konzepte zeigten, „was mit einer optimierten Zusammenarbeit von Handel und Industrie möglich ist“.

Unterstützung durch KI

Einsparungen seien dabei unvermeidlich. „An der einen oder anderen Stelle werden wir den Gürtel enger schnallen müssen“, so Rauschen. Unterstützung könnten dabei auch neue Technologien bieten. „Intelligente KI-Lösungen können helfen, effizienter zu werden. Ich rate allen Unternehmen, sich hier auf dem Laufenden zu halten und die Informationsangebote des BTE zu nutzen.“

Mitarbeiter als Botschafter

Trotz aller Digitalisierung bleibt für den BTE-Präsidenten ein Faktor zentral: die Menschen im Verkauf. „Auch künftig werden die Mitarbeitenden auf der Fläche die entscheidende Rolle spielen“, betont Rauschen. Gerade im mittelständischen Fachhandel seien sie „emotionale und fachkundige Botschafter des Unternehmens“. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten „enorme Auswirkungen auf den Erfolg eines Unternehmens – und das wird sich so schnell nicht ändern“.

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