Lünedonk: Corona-bedingte Nachfrageveränderungen verfestigen sich

In der Corona-Krise hat das Bedürfnis nach Hygiene zugenommen. Symbolbild: Depositphotos / Igor Vetushko

Das Marktvolumen für Facility-Services ist laut Lünedonk im Jahr 2021 um 1,9 Prozent auf 55,0 Milliarden Euro gestiegen. Damit ist es nach dem Corona-bedingten erstmaligen Rückgang des Marktvolumens in 2020 auf 54,0 Milliarden Euro wieder gewachsen.

Dass das Vor-Krisen-Niveau von 55,4 Milliarden Euro noch nicht wieder erreicht wurde, liegt demnach primär an den auch im zweiten Corona-Jahr noch zu verzeichnenden Einschränkungen und der postzyklischen Marktentwicklung. Treiber für das Wachstum waren die weniger strikten Einschränkungen beim Betrieb von Gewerbeimmobilien, Corona-bedingte Zusatzleistungen wie höhere Reinigungsintervalle und die Preisentwicklung. Dämpfend wirkte sich der fortgesetzte Nachfrageeinbruch bei Catering- und Eventservices aus.

Der Ausblick für das Geschäftsjahr 2022 ist laut Lünedonk durchwachsen: Auf der einen Seite gewinnt das Facility Management im Zuge der ESG-Berichtspflichten und des Bedarfs an einem nachhaltigeren Betrieb von Gewerbeimmobilien deutlich an Bedeutung. Auf der anderen Seite zeigen viele Auftraggeber angesichts der Unsicherheiten sowie der angestiegenen Inflation sowie des Kriegs gegen die Ukraine Zurückhaltung bei Investitionen. Dies sind ausgewählte Ergebnisse der ab sofort verfügbaren Lünendonk-Markstudie 2022 Facility-Service-Unternehmen in Deutschland.

 

ESG auf Facility-Management angewiesen

Immobilieninvestoren und -fonds sind durch die EU-Regulierung zur unternehmerischen Verantwortung - Corporate Social Responsibility, EU-Taxonomie, ESG - verpflichtet, Daten unter anderem zur Nachhaltigkeit der eigenen unternehmerischen Aktivität zu erheben und zu veröffentlichen. Dies gilt und betrifft auch und insbesondere Investoren und deren Portfolio-Immobilien. Die Facility-Service-Unternehmen sehen ihren Beitrag zu den Reporting- und Maßnahmenzielen sowohl in der Bereitstellung der Ist-Daten als auch in der Beratung zu Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit sowie in deren Umsetzung. Ein besonders hohes Potenzial sehen die Unternehmen dabei in den Gewerken Energiemanagement, Optimierung der Gebäudeautomation sowie der Gebäudetechnik. Unter den infrastrukturellen Services sehen die Dienstleister das größte Einflusspotenzial in der Gebäudereinigung sowie bei Catering-Services.

Marktentwicklung begünstigt integrierte Services

Die Dekarbonisierung der Gewerbeimmobilien in Deutschland und die Corona-bedingt beschleunigte Nutzungsveränderung stellen Betreiber vor einen größeren Transformationsbedarf. Um die zunehmende Komplexität des Immobilienbetriebs in den Griff zu bekommen, bündeln insbesondere größere Auftraggeber Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten im Facility Management. Vor allem führende Dienstleister reagieren hierauf mit einer Ausweitung des Leistungsangebots und des Service Managements.

Lünendonk-Partner Thomas Ball ordnet diese Entwicklung wie folgt ein: „Die aktuelle Marktentwicklung begünstigt integrierte Dienstleister, die komplexe Service-Management-Prozesse abbilden können – zunehmend auch länderübergreifend. Digitalisierung ist dabei nicht mehr nur ‚nice to have‘, sondern essenzieller Bestandteil eines effektiven Managements. Der große Bedarf an Facility Services wird daher nicht zu einem Bedeutungsverlust einzelner Unternehmen oder Gruppen, sondern verstärkt zu einer Segmentierung in Gewerke- und Managementspezialisten führen.“

In die 19. Auflage der Lünendonk-Studie „Facility-Service-Unternehmen in Deutschland“ wurden 62 Dienstleister einbezogen. Diese erwirtschafteten 2021 28,4 Prozent des von Lünendonk berechneten Marktvolumens in Höhe von 55,0 Milliarden Euro. Die Studie bietet damit einen umfassenden Überblick über die Struktur des deutschen Facility-Service-Markts.