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17. August 2026

Nachtparken vor dem Supermarkt wird immer mehr zum Trend

IMMER MEHR HÄNDLER VERMIETEN IHRE STELLFLÄCHEN NACH LADENSCHLUSS AN ANWOHNER
Unter anderem einige ALDI-Märkte bieten Feierabendparken an.
Foto: ALDI Nord

Wer abends in einer deutschen Großstadt nach Hause kommt und noch einen Parkplatz sucht, kennt das Ritual: einmal um den Block, noch eine Runde, vielleicht noch eine. Am Straßenrand ist alles belegt. Ein paar hundert Meter weiter liegt dagegen ein Meer aus freien Stellplätzen – vor dem Supermarkt. Die Filiale ist längst geschlossen, die Beleuchtung läuft, die Parkflächen sind leer.

Genau diese Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wollen immer mehr Händler nutzen. Das Modell heißt „Feierabendparken“: Anwohner mieten Stellplätze auf privaten Supermarktparkplätzen für die Nacht. Morgens müssen die Autos wieder verschwunden sein, bevor die ersten Kunden zum Einkaufen kommen. Was vor wenigen Jahren noch nach einem lokalen Pilotprojekt klang, wird inzwischen zu einem bundesweiten Trend. Der Discounter Netto hat sein Angebot zum 1. April 2026 auf rund 150 Filialen ausgeweitet. Die Stellplätze können dort grundsätzlich zwischen 18 und 8 Uhr gebucht werden. Je nach Standort stehen etwa 20 Prozent der Parkflächen zur Verfügung. Eine Nacht kostet beispielsweise drei Euro, eine Woche 16 Euro und ein Monat 40 Euro. Das Angebot soll weiter ausgebaut werden.

Vielfache Testläufe

Netto ist damit allerdings nicht allein. In Düsseldorf startete bereits 2024 ein großes Modell mit ALDI Süd und Lidl. Auch in Köln, Hamburg, Augsburg, Nürnberg, Erlangen, Bonn, Krefeld und anderen Städten gibt es inzwischen entsprechende Angebote oder Pilotprojekte. Bei Lidl und ALDI Nord laufen ebenfalls einzelne Tests. Für die Supermärkte liegt der Reiz auf der Hand: Die Fläche ist ohnehin vorhanden. Tagsüber wird sie für die Kunden gebraucht, nachts steht sie vielfach leer. Warum also nicht ein zweites Mal damit Geld verdienen?

Spezialisierte Unternehmen

Doch die drei oder vier Euro, die ein Autofahrer für die Nacht bezahlt, landen nicht einfach beim Händler. Die digitale Vermietung und Bewirtschaftung übernehmen häufig spezialisierte Parkplatzunternehmen. Netto arbeitet nach eigenen Angaben unter anderem mit Park & Control, Wemolo, Loyal Parking und Parken & Management zusammen. Sie kümmern sich je nach Standort um Buchung, digitale Parkraumbewirtschaftung und Kontrolle. Wie die Einnahmen zwischen Händler und Dienstleister aufgeteilt werden, ist öffentlich nicht bekannt. Sicher ist aber: Aus dem vermeintlich simplen Prinzip „leeren Parkplatz vermieten“ ist ein Geschäftsfeld für professionelle Parkraumbewirtschafter geworden. Das zeigt sich auch an der Technik. Wer einen Nachtparkplatz bucht, scannt meist einen QR-Code, landet in der App des jeweiligen Anbieters und hinterlegt dort das Kennzeichen. Kameras oder digitale Systeme können erfassen, wann ein Fahrzeug auf den Parkplatz fährt und wann es ihn wieder verlässt.

Spielregeln einhalten

Private Supermarktparkplätze sind rechtlich etwas anderes als öffentlicher Straßenraum. Wer dort parkt, schließt grundsätzlich einen Vertrag mit dem Betreiber. Werden die dort ausgeschilderten Regeln verletzt, können private Betreiber Vertragsstrafen verlangen. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass solche Parkbedingungen gut sichtbar und verständlich ausgehängt sein müssen. Das kann beim Feierabendparken besonders relevant werden. Denn wer einen Stellplatz für die Nacht bucht, muss nicht nur bezahlen, sondern auch die Spielregeln einhalten: rechtzeitig buchen, das richtige Kennzeichen hinterlegen und morgens wieder wegfahren. Wer die erlaubte Zeit überschreitet oder die Bedingungen verletzt, kann eine Zahlungsaufforderung erhalten.

Digitale Überwachung

Die Verbraucherzentralen beobachten den Markt deshalb kritisch. Gegen einzelne Parkraumbewirtschafter laufen beziehungsweise liefen bereits rechtliche Auseinandersetzungen. Doch das bedeutet nicht, dass Feierabendparker automatisch mit Knöllchen rechnen müssen. Im Gegenteil: Ein korrekt gebuchter Stellplatz ist genau dafür gedacht, dass Anwohner dort legal stehen können. Aber die Entwicklung zeigt, wie stark das Nachtparken inzwischen mit digitaler Überwachung und professioneller Parkraumbewirtschaftung verbunden ist.

Unterschiedliche Erfahrungen

Die entscheidende Frage ist allerdings eine andere: Entspannt Feierabendparken tatsächlich die Parkplatzsituation? Düsseldorf hat als eine der ersten Städte Erfahrungen damit gesammelt. 2024 startete dort das Projekt mit rund 190 Stellplätzen an acht ALDI-Süd- und Lidl-Standorten. Ein Jahr später meldete die Stadt, die Pilotphase sei insgesamt positiv verlaufen. Gleichzeitig zeigte die Auswertung der Nutzerdaten eine wichtige Einschränkung: Die Nachfrage hing stark vom Standort ab. Flächen in Randlagen mit wenig Parkdruck wurden kaum genutzt. Zentrumsnahe Standorte dagegen deutlich stärker. Ein ALDI-Süd-Parkplatz an der Oberbilker Allee kam auf bis zu 196 Buchungen pro Monat.

Grundsätzliches Problem

Auch Köln zeigt, wie schwer es sein kann, das Modell auszuweiten. Dort startete die Stadt ein entsprechendes Projekt an zwei ALDI-Süd-Filialen. Im Frühjahr 2026 berichtete der WDR, dass das Vorhaben nicht richtig vorankam und weiterhin nur zwei Supermärkte beteiligt waren. Eine Hamburger Senatsantwort verweist zudem auf ein grundsätzliches Problem: Die Öffnung ausschließlich während der Schließzeiten der Supermärkte entspricht nicht immer den tatsächlichen Bedürfnissen der Anwohner. Für Händler können außerdem organisatorische und rechtliche Risiken schwerer wiegen als die zusätzlichen Einnahmemöglichkeiten.

Begrenzter Stadtraum

Der Bedarf dürfte jedenfalls nicht so schnell verschwinden. Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland rund 49,5 Millionen Pkw zugelassen – so viele wie noch nie. Auf 1000 Einwohner kamen im Durchschnitt 593 Autos. Seit 2008 ist die Pkw-Dichte kontinuierlich gestiegen. In den Städten liegt sie zwar niedriger als auf dem Land, doch gerade dort konkurrieren Autos um besonders knappen öffentlichen Raum. Feierabendparken schafft dabei keinen einzigen neuen Quadratmeter. Und genau das ist seine Stärke und zugleich seine Grenze. Es ist eine Form der Mehrfachnutzung: Derselbe Parkplatz dient tagsüber dem Einkauf und nachts dem Anwohner. Es muss keine neue Fläche versiegelt, kein Parkhaus gebaut und kein zusätzlicher Stellplatz geschaffen werden. Für einzelne Quartiere kann das durchaus einen Unterschied machen.

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