Historische Gebäude stellen Projektentwickler oftmals vor Probleme. Denkmalschutz und Handel lassen sich aber auch geschickt kombinieren.

Das Postcarré Hanau in Hanau vereint Einzelhandel und Denkmalschutz. Foto: HBB

Städte verändern sich beständig. Sind von der Entwicklung neuer Projekte alte, historische Gebäude betroffen, dann geht es nicht selten um die Frage nach dem Denkmalschutz. Ob Behörden oder Projektentwickler sich einig werden, entscheidet häufig drüber, ob Bauvorhaben sterben oder realisiert werden. Kreative Ideen verbinden dabei das Alte mit dem Neuen.

Beim Fachmarktzentrum Postcarré in Hanau hat das Architekturbüro RKW aus Düsseldorf ein mehrteiliges Ensemble entwickelt, um eine alte, denkmalgeschützte Brackerhalle zu erhalten. Ein gekrümmter, zweigeschossiger Bau empfindet mit seiner rotbraunen Färbung die Ziegelfassde der Halle nach. Südlich liegt ein eingeschossiger Bau, in dem ein Discounter untergebracht wurde. In der Mitte des Postcarré Hanau steht die Brackerhalle, die denkmalgerecht sanier wurde. Nördlich an die Halle grenzt die zentrale Passage des Fachmarktzentrums an.

Denkmalschutz: Funktionalität muss gewährleistet sein

„Es ist ein Highlight geworden“, schwärmt Harald Ortner, Geschäftsführer vom Investor HBB. Während in Hanau die Planer und Architekten mustergültig Denkmalschutz und Einzelhandel in Einklang gebracht haben, kennt Ortner aber auch Fälle, bei denen es anders lief. „Es gibt Denkmalbehörden, die können ein Projekt schon verhindern“, sagt er. Letztendlich müsse aus Investorensicht die Gebäudestruktur stimmen und die statischen Erfordernisse zum Handel passen. „Die Behörden müssen sich immer überlegen, um welchen Preis ein denkmalgeschütztes Gebäude erhalten werden soll“, so Ortner. So sind etwa alte Kasernen nicht für den Handel zu gebrauchen – die Wandstärken stimmen hier nicht. Sind die Denkmalbehörden hier nicht gesprächsbereit, dann sterben Projekte sehr schnell. „Man kann sich auf vieles einlassen, aber die Funktionalität muss gewährleistet sein“, erklärt der HBB-Chef.

 

Oft lassen sich Einzelhandel und historisch wertvolle Baudenkmäler gekonnt miteinander kombinieren. Im Fall der Altmarkt-Galerie in Dresden entdeckten die Arbeiter bei dem Bauvorhaben alte Kellergewölbe aus dem 14. Jahrhundert. Heute sind sie im Shopping-Center der ECE Teil eines Weinladens. Bei der Europa-Galerie in Saarbrücken hat der Projektentwickler das Gebäude der alten Bergmannsdirektion in sein Center eingebunden. Ein Café und eine Thalia-Buchhandlung sind dort als Mieter eingezogen. In die historischen Wartesäle der Promenaden am Hauptbahnhof in Leipzig sind ebenfalls Gastronomie und eine Buchhandlung eingezogen.

 

Klaus Striebich, Geschäftsführer Leasing bei der ECE, weiß, dass sich denkmalgeschützte Gebäude gut in eine moderne Handelsimmobilie integrieren lassen, wenn sich dem Thema aus der Vermietungsperspektive genähert wird. „Erst sollte man über die Nutzung nachdenken, bevor man dann eine bauliche Entscheidung trifft“, sagt er. Aber gerade hier weiß Striebich aus Erfahrungen, würden sich die Denkmalschutzbehörden oft schwertun, wenn es um eine neue Nutzung geht, die nicht an die Geschichte anknüpft. „Wenn man aber nichts ändert, dann muss man ein Museum draus machen“, betont er.

Erstellt von David Huth