Aktueller Habona-Report berichtet über Verschiebung im Einkaufsverhalten

Manuel Jahn, Head of Business Development der Habona Invest, beobachtet die Markttrends. Foto: Habona

„Wir erleben eine drastische Verschiebung im Einkaufsverhalten der Deutschen.“ So beginnt Manuel Jahn, Head of Business Development der Frankfurter Habona Invest, landauf landab, wenn er dafür wirbt, sich auch in der Immobilienwirtschaft viel tiefer mit Veränderungen, die zunächst nur die Mieter betreffen, zu beschäftigen.

Demnach stehe der deutsche Ladeneinzelhandel vor einer seiner größten Umverteilungen. Die Rede ist nicht von Umsatzabflüssen in den Onlinehandel, sondern vom Wachstum der Nahversorgung. Nachzulesen im aktuellen Habona-Report, der im Rahmen des Handelsimmobilien-Gipfels von Manuel Jahn erstmals der Fachöffentlichkeit vorgestellt wurde.

Deutlicher Umsatzzuwachs

Der ehemalige GfK-Mann beobachtet schon seit längerem, wie zunehmend Shoppingcenter und selbst Fußgängerzonen sowohl Passantenfrequenzen als auch Umsatz durch immer mehr Knauserigkeit verlören. Andrerseits gewännen wohnortnahe Handelsstandorte durch spendable Kunden Jahr für Jahr deutlich hinzu – und das weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt. Allein der Umsatz mit Lebensmitteln und Drogeriewaren ist zwischen 2012 und 2017 um 12,8 Prozent gestiegen, während beispielsweise der Ladenumsatz mit Bekleidung im gleichen Zeitraum um 7,6 Prozent zurückgegangen ist.

Kurze Wege bevorzugt

Wegen der sehr positiven Sonderentwicklungen in der Nahversorgung betrachten die Herausgeber des Reports, GfK, Savills und Habona, dieses Marktsegment als eigene Assetklasse, die mit den übrigen Retail-Themen immer weniger korreliert. Der dank Smartphone und Apps auf Bequemlichkeit und Schnelligkeit geschulte Kunde will nämlich seine knappe Zeit zunehmend besser genutzt wissen. Das Einkaufen ist dabei nur ein Teil seiner Tagesgestaltung. Ob Verkehrsmittelwahl oder Parkplatzsuche, Kinderbetreuung oder Arztbesuche, das Treffen mit Freunden oder der Spaziergang mit dem Hund: Der Konsument bevorzugt kurze Wege für die Verknüpfung und praktische Erledigung seiner alltäglichen Aufgaben und Bedürfnisse.

 

Profiteure der Digitalisierung

Nahversorgungsstandorte sind krisensichere Treffpunkte von Nachbarschaften und leisten elementare Beiträge zur Sicherung materieller wie immaterieller Grundbedürfnisse. Handelsstandorte, die dem Kunden in seiner Tagesgestaltung sinnvolle und zeitsparende Möglichkeiten der Verknüpfung anbieten können, sind insofern Profiteure der Digitalisierung. Schon aufgrund der gewaltigen Marktgröße der Nahversorgung liegt dort für den Ladeneinzelhandel sein künftiges Wachstumspotenzial.

Hälfte der Kaufkraft für Nahversorgung

Da nach Beobachtungen von Savills der Fokus insbesondere der institutionellen Immobilienwirtschaft lange Zeit auf großvolumigen Handelsformaten wie Geschäftshäusern, Shoppingcentern und Fachmarktzentren gelegen hat, ist das Wachstum der Nahversorgung lange Zeit unbeachtet geblieben. Dabei werden nach GfK-Zahlen aktuell rund 241 Milliarden Euro, das ist rund die Hälfte der Einzelhandelskaufkraft, für nahversorgungstypische Sortimente, also Food und Near-Food, ausgegeben. Der Habona-Report prognostiziert in den Folgejahren insbesondere durch die Weiterentwicklung hochmargiger Food- und Gastrotrends einen Umsatzzuwachs von rund sechs Milliarden Euro netto pro Jahr.

Der Habona-Report wurde vom Nahversorgungsspezialisten und Fondsinitiator Habona Invest in Kooperation mit den führenden Marktforschern und Beratungsunternehmen GfK und Savills als erster Trend- und Marktbericht für die Assetklasse Nahversorgung erstellt. Der Report ist als Jahrbuch konzipiert und steht in Kürze zum Download bereit.