Exklusiver Gastbeitrag für HI-HEUTE von Jörg Lehnerdt, Niederlassungsleiter der BBE Handelsberatung GmbH in Köln

Jörg Lehnerdt, Niederlassungsleiter der BBE Handelsberatung GmbH in Köln. Foto: BBE

Früher rasselnde Einkaufswagen, heute Stille – wie kommt wieder Leben an einen Standort? Zwischen 2010 und 2015 verringerte sich die Filialzahl der Lebensmitteleinzelhandelsketten in Deutschland von 39.300 auf 37.900. Wenn ein Geschäft schließt, stellt sich die Frage nach einer Folgenutzung der Immobilie. Oft hängt daran die Zukunft des gesamten Standortes. Dabei sind Lebensmittelmärkte mit ihrem speziellen Grundriss eine besondere Herausforderung. Doch gilt das gleichermaßen für jeden Markt? Analysen zeigen, dass mit entsprechenden Voraussetzungen noch einige Türen offen stehen.

 

Bessere Chancen für größere Flächen

Grundsätzlich ist die Flächenbilanz für Lebensmittelmärkte positiv: Die Gesamtverkaufsfläche stieg von 33,9 Millionen Quadratmetern im Jahr 2010 auf 35,5 Millionen im Jahr 2015. Eine Auswertung von rund 1.500 entsprechenden Objekten in Nordrhein-Westfalen ergab, dass es zwischen 2011 und 2016 bei 89 Prozent der Immobilien keine Nutzungsänderung gab. Von den verbleibenden elf Prozent blieben nur vier Prozent leer und für die restlichen sieben Prozent, also mehr als die Hälfte, fand sich eine andere Nutzung. Allerdings zeigen sich bei einem genaueren Blick die ungleich verteilten Chancen: Zwar gab es auch bei größeren Objekten ab 1.500 Quadratmetern mehrjährigen Leerstand, aber es hatte sich bis zum Ende der Erhebung stets eine Nachnutzung ergeben. Dagegen standen kleinere Immobilien mit Verkaufsflächen bis 800 Quadratmetern sowie mittlere mit Größen zwischen 800 bis 1.500 Quadratmetern teilweise mehr als vier Jahre leer oder wurden abgerissen. Nachmieter für kleinere Flächen sind meist inhabergeführte Lebensmittelmärkte. Vor allem türkische und polnische Sortimente werden von Kunden gern angenommen, ob zur Bereicherung oder aus kulturellen Gründen.

Die Lage entscheidet

Typische Fachmärkte sind insgesamt unproblematischere Standorte als Immobilien in der Innenstadt. Dort eröffnen beispielsweise auch Sportstudios neue Filialen. Im City-Bereich jedoch stellen die Umfeldbedingungen einen großen Risikofaktor dar. In guten Lagen übernehmen oft Drogeriemärkte oder Nonfood-Discounter die Flächen und ergänzen die bestehenden Einkaufsmöglichkeiten. Im besten Fall findet sich sogar ein Textilanbieter als Nachmieter. Weniger guten Lagen droht jedoch langfristiger Leerstand.

 

Für die Zukunft werden weitere Nutzungen diskutiert. Da in vielen Großstädten das Angebot an Wohnraum mangelhaft ist, ist eine naheliegende Möglichkeit der Abriss des Gebäudes mit anschließendem Wohnungsneubau. Eine andere gewerbliche Bewirtschaftung der bestehenden Objekte ist ebenfalls denkbar. Beispielsweise bieten sich die freien Flächen als Zwischenlager für Onlinehändler an. Diese suchen häufig wohnortnahe Standorte, um die sogenannte letzte Meile möglichst schnell beliefern zu können. Gastronomie oder Dienstleister haben meist ebenfalls Interesse an zentral gelegenen Räumlichkeiten. Besonders in Innenstädten hat eine Umnutzung ehemaliger Lebensmittelmärkte also gutes Potenzial.

Erstellt von Jörg Lehnerdt, Niederlassungsleiter der BBE Handelsberatung GmbH in Köln